ein Beitrag von Dieter Kremer

In der heutigen bunten, chaotischen, oft haarsträubenden Vornamenwelt gibt es eine traditionelle Kategorie von christlichen Namen, die auf den ersten Blick kaum verständlich erscheinen: Pfeiler, Gnaden, Rocío, Montserrat, Empfängnis, Schöner Tod usw.usf. Natürlich handelt es sich hier um Übersetzungen (aus dem Lateinischen, vor allem aber Spanischen) und Kürzungen aus marianischen Namen, auf deren wörtliche Bedeutung (und damit lexikalisch-namentliche Herkunft) man in aller Regel nicht achtet. Das betrifft allerdings die große Mehrzahl aller Vornamen. In loser Folge sollen hier Beispiele marianischer Namen vorgestellt werden.

Die auf der Iberischen Halbinsel sehr frühe und verbreitete Verehrung der Gottesmutter – bereits im 11. und 12. Jahrhundert hieß jede neunte Frau Maria (dazu jede 19. Marina) – hat ihren Niederschlag in zahllosen Kirchen und Heiligtümern gefunden, die in aller Regel einen besonderen Aspekt der Marienverehrung betonen. Diese wiederum fanden Eingang in die Namengebung (Tagesheilige, lokale Tradition. Üblicherweise lauten die Namen María de la Concepción (Kurzname: Concha, Conchita), María de las Mercedes (z.B. Merche) usw.usf., im Alltagsgebrauch werden sie jedoch meist auf das Bestimmungswort gekürzt, also Concepción, Mercedes usw. Die offizielle Eintragung ins Geburtenregister kann den vollen Namen oder die inzwischen üblich gewordene Kurzform enthalten, also María de la Concepción oder Concepción, wobei man weiß, dass María immer mitzuverstehen ist und der „Namenstag“ auf den entsprechenden Marienfesttag fällt.

Auch der „einfache“ Name Maria, Marie (mit Varianten), dessen ungewöhnliche Beliebtheit gerade auch in nichtkatholischem Umfeld auffällt, zählt (nach María (del) Carmen = 4,47% aller Namen) auch im gegenwärtigen Spanien zu den Spitzenreitern der Namengebung (2,60%:

María 615.061 Frauen (Durchschnittsalter 48,7 Jahre) = 2,60%


Die geographische Verteilung von María in  Spanien

gegenüber

Maria (del) Carmen 660.635 Namenträgerinnen (Durchschnittsalter  56,2  Jahre)  = 2,78%
mit Carmen 399.758 Namenträgerinnen (60,4 Jahre) = 1,68%

Die geographische Verbreitung von María (del) Carmen in Spanien

Die geographische Verteilung von Carmen in Spanien

Hier kann nicht auf wichtige Dinge wie das Durchschnittsalter der Namenträgerinnen oder die differenzierte geographische Verteilung eingegangen werden. Es stehe jedoch der Hinweis, dass diese Daten ebenso wie die Familiennamen auf Grundlage der aktuellen Gesamtbevölkerung für Spanien vom Nationalen Statistikamt jedem Interessierten zur Verfügung gestellt werden.

Am heutigen 2. Februar, dem Tag von Mariä Lichtmess, älter auch Mariä Reinigung, oder Fest der Darstellung des Herrn im Tempel, verbinden sich zahlreiche kirchengeschichtliche und volkstümliche Traditionen, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Für die Gottesmutter stehen die „Reinigung“ und die Tradition der Kerzenweihe (mit Prozession) im Vordergrund. Das spiegelt sich in Ortsnamen (u.v.a. Candelaria auf Tenerife, unweit von Santa Cruz, mit seiner Basílica de Nuestra Señora de Candelaria oder de la Virgen de Candelaria, mit einer langen Vorgeschichte) und eben Frauennamen. Hierbei stehen insbesondere die Konzepte Reinigung und Kerze im Zentrum, möglicherweise kann auch Licht in diesem Kontext eine Rolle spielen. Es handelt sich um die Namen

[María de la] Purificación (portugiesisch [Maria da] Purificaçāo)

[María] Candelaria ([Maria das] Candeias und Candelária)

[María de la] Luz ([Maria da] Luz)

Die geographische Verbreitung dieser Namen in Spanien zeigen die folgenden Übersichten:

Der Vorname María (de la) Purificacíon (8.937 Frauen = 0,038%, Durchschnittsalter 61,8 Jahre)

Der Vorname Purificación (41.921 Frauen = 0,177%, Durchschnittsalter 64,3 Jahre)

Der Vorname María Candelaria (9.411 = 0,0040 Frauen, Durchschnittsalter 53,6 Jahre)

Der Vorname Candelaria (8.816 Frauen = 0,037%, Durchschnittsalter 62,1 Jahre)

 

Der Vorname María (de la) Luz (43.502 Frauen = 0,183%, Durchschnittsalter 57,5 Jahre)


Der Vorname Luz (3.588 Frauen = 0,015%, Durchschnittsalter 52,2 Jahre)

Bei Candelaria handelt es sich um eine Ableitung von spanisch candela (portugiesisch candeia) "Kerze", luz ist die Allgemeinbezeichnung für "Licht" (davon abgeleitet Namen wie Lucia u.a.m.). Purificación (purificaçāo) schließlich bedeutet nichts anderes als "Reinigung". Für sich alleine und wörtlich genommen sind diese scheinbar durchsichtigen oder "sprechenden" Namen (Kerze, Licht, Reinigung) durchaus fragwürdige Beispiele der Namengebung. Doch stehen sie in einem weitaus größeren kulturhistorischen Zusammenhang, in dem Namenbedeutung nicht wörtlich zu nehmen ist wie etwa in heute „zugelassenen“ Namen wie Adagio, Ravel, Rosenbäumchen, Lakritze, Gigue u.a.

Dieter Kremer