Drei Jubiläen - ein Workshop

65-30-25

 

Nächste Woche ist es soweit, wir können zurückschauen auf 65 Jahre "Leipziger Namenforschung", die der Zeitzeuge Karlheinz Hengst würdigen wird. Vor 30 Jahren (im Wendeherbst 1989) begann Dietlind Kremer ihre Tätigkeit im Wissenschaftsbereich Namenforschung und entwickelte sogleich Aktivitäten für die Etablierung der Namenforschung als Unterrichtsfach und seit nunmehr 25 Jahren ist Gabriele Rodriguez an der Namenberatungsstelle der Universität aktiv und gefragte Ansprechpartnerin für Eltern, Standesbeamte aber auch Juristen.

 

Herzliche Einladung zu dem diesen drei Jubiläen gewidmeten Workshop am Mittwoch, 30. Oktober, 13.15 Uhr im Seminargebäude Raum S126. Wir freuen uns natürlich auch auf ehemalige Studierende der Namenforschung.


Herzlich Willkommen

Herzlich Willkommen an all unsere neuen StudentInnen im Modul "Grundlagen der Namenforschung" an der Universität Leipzig. Wir freuen uns auf ein spannendes neues Semester mit vielfältigen Namen.


Heinz und Enrico

von Dieter Kremer

Zu den zahlreichen mit der „DDR“ oder „Ostdeutschland“ konnotierten Vornamen sind eine Reihe italienischer Namen wie Silvio, Mario oder auch Guido (vgl. GfN-Blog) ebenso wie Namen aus dem angloamerikanischen Raum wie Nancy (Anne), Peggy (Margaret) u.v.m. charakteristisch. Formal sind sie leicht an den „undeutschen“ Endungen -(i)o bzw. -y zu erkennen. Die Gründe bzw. die Motivation sind nicht immer leicht oder eindeutig zu ermitteln, und allzu leicht sollte man es sich bei Erklärungsversuchen nicht machen. Von Bedeutung ist einerseits die in diesem Zusammenhang extrem wichtige Dokumentation der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig (seit den 1960er Jahren). Diese musste vor der Eintragung (oft scheinbar) ausgefallener Namen um eine amtliche Bestätigung gebeten werden. Es ist hier nach der jeweiligen „Motivation“ zu fragen, die sich sehr häufig auf Nachbenennung nach aktuell beliebten „Stars“ eingrenzen lässt; das setzt natürlich zeitgeschichtliche Nachforschungen voraus. Doch kann auch vorkommen, dass „alte“ Namen plötzlich wieder zur Mode werden. Die Thematik ist soziohistorisch von großem Interesse, eher weniger von sprachlich-namenkundlicher Bedeutung. Es sei denn, Schriftbild und Aussprache stimmen nicht überein – ein vielleicht unterschätztes wichtiges und interessantes Thema.

Weniger beachtet wird üblicherweise die Etymologie von Namen und deren Entsprechungen in einzelnen Sprachen. Dabei sind gerade Namenwanderungen von nicht zu unterschätzendem Interesse, ein Empfinden für „Migration“ oder „deutsch“ scheint recht sekundär zu sein. Dabei ist gerade das „christliche Abendland“ in der historischen Namenwelt außerordentlich präsent. Neben der (jüngeren) explizit christlichen Namengebung mit Namen vor allem hebräischer (oder griechischer) Herkunft – etwa die „deutschen“ Hänsel und Gretel oder europäisierten Varianten von Maria/Marie/Mary/Miriam (usw.) – sind gemeinsame Traditionen vor allem seit der Völkerwanderungszeit charakteristisch. Der auffallenden Verbreitung Namen “germanischer“ Herkunft oder Etymologie im ehemaligen römischen Imperium steht der umgekehrte Weg: die Mode „fremder“ Namen nicht mehr empfundener germanischer Etymologie gegenüber. Besonders charakteristisch ist in diesem Zusammenhang der Weg von Frankreich nach England und von dort internationale Verbreitung.

Ein konkretes Beispiel ist der altdeutsche Name Heinrich. Seine sehr große Verbreitung ist mit dem Sachsen Heinrich I. „der Vogler“ (Regierungszeit 919-936), Vater von Kaiser Otto I. „der Große“ und  Urgroßvater von Kaiser Heinrich II. „der Heilige“ (1014-1026), aber auch anderen mittelalterlichen europäischen Herrschergestalten in Verbindung zu bringen.

Unter den zahlreichen Varianten im Deutschen und deutschen Regionen ist neben Formen wie Heiner, Hendrik, Hinnerk, Heiko u.a. gewiss Heinz (mit Hinz) die am weitesten verbreitete. Das spiegelt sich auch in den Familiennamen wieder:  Heinrich  (19.122), Heinz (10.007, Heinze 8.028), Hinz (8.891, Hinze 2.889, Hintz 1.663, Hintze 1.781) und weitere Varianten. Die außerordentliche Frequenz führte auch zur Lexikalisierung („so wie ein“): Heini, Hinz und Kunz (aus Konrad) u.ä. Und natürlich wurden zu einem derart beliebten Namen auch weibliche Entsprechungen gebildet, diese sind dann etymologisch allerdings sinnentleert, da nur eine formale Anpassung stattfand. Hierbei ist wie oft bei beliebten Frauennamen neben der „bodenständigen“ Form wie Henrike, Heike die Entlehnung aus einer Fremdsprache bemerkenswert: Henriette ist ein französischer Name.

In der Tat ist Heinrich früh in alle europäischen Sprachen übernommen und angepasst worden. Die wichtigsten sind französisch Henri (mit Henriette), englisch Henry (mit Harry und Harriet), italienisch Enrico (mit Arrigo u.a.). Diese letztere Variante ist über die mittelalterliche lateinische Form (H)enricus vermittelt worden. Über Frankreich und/oder Italien ist sie ausgestrahlt nach Spanien (Enrique) und Portugal (Henrique), diese Namen gehen also nur indirekt auf das Deutsche zurück.

Nimmt man die auffallende Frequenz von Enrico im Osten Deutschlands, so ist in der Tat von einem „ausländischen“, italienischen, Namen auszugehen, der dem deutschen Heinrich genau entspricht. Etymologisch handelt es allerdings um einen „deutschen“ Namen. Es ist daher nach dem Motiv dieser relativen Namenmode zu fragen. Hier muss nach dem Zeitpunkt der entstehenden Namenmode gesucht und nach einem konkreten „Vorbild“ gesucht werden. In der damaligen DDR waren gerade in der Namengebung „Westkontakte“ in Form von internationalen Stars (Musik, Film usw.) besonders ausgeprägt, aber auch eigene Film- oder Schallplattenproduktionen konnten durchaus „anregend“ wirken. Für Enrico käme theoretisch der damals sehr bekannte italienische (sardische) Kommunist Enrico Berlinguer (1912-1984), Protagonist des „Eurokommunismus“ als Muster in Frage, er besuchte 1973 Honecker. Der bekannteste Namenträger ist jedoch Enrico Caruso (1873-1921). Immer wieder ist der berühmteste aller Tenöre in Film und Schallplatte  präsent, etwa Der große Caruso, mit Mario Lanza (Deutschland-Start 1952) oder Wunder einer Stimme – Enrico Caruso, mit Gina Lollobrigida (1952) oder DDR-Schallplatten (Eterna) wie Enrico Caruso – Duette (1973). Die Suche nach dem Auslöser müsste fortgesetzt werden, hierbei ist die direkte Befragung die sicherste Methode.

Entspricht italienisch Enrico also genau dem deutschen Heinrich, ist sozusagen zurückgewandert, so entspricht dies einem allgemeinen, vielleicht zu wenig wahrgenommenen Phänomen der europäischen Namenwelt (vgl. z.B. GfN-Blog vom 29.7.2014). Doch nicht nur die Vollform Heinrich ist „exportiert“ bzw. aus einer germanischen Sprache übernommen worden, sondern auch die jüngere deutsche Kurzform Heinz. Der uneheliche Sohn von Kaiser Friedrich II. (1194-1250) – er vereinigte das Nord- und Südreich, gründete das Königreich Sizilien (Palermo, Castel del Monte usw.), war berühmt in Dichtung und Wissenschaft – und damit Enkel von Friedrich I. „Barbarossa“ wurde Heinz genannt. Als König von Sizilien war er der „re (König) Enzo“ (1220-1272). Sein Ruf dürfte in besonderem Maße zur Mode dieses italienischen Namens beigetragen haben, der allerdings schon im Jahre 1016 erstmals in Italien belegt ist.

Wer sich für „italienische“ Vornamen interessiert, sollte zum Namenbuch I nomi di persona in Italia. Dizionario storico ed etimologico, hg. von Alda Rossebastiano und Elena Papa, 2 Bände, Torino: UTET 2005, greifen. Hier finden sich auch interessante Hinweise zur regionalen Verbreitung, Frequenzen und Namenmoden. Zu unseren Namen etwa: Enrico (196.952), mit Enrica (53.607), mit zahlreichen Varianten, oder  Enzo (78.760), dazu Enza (16.183).

 

 


Macschirben - ein interessanter sowie schwieriger und seltener früher Familienname

von Prof. Dr. Karlheinz Hengst

Im Jahresheft des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) mit dem Titel „Mitropa 2019“, S. 55/56, berichtet Christian Zschieschang über einen rätselhaft erscheinenden Familiennamen. Zur Quelle teilt er mit: „In einer eigentlich allseits bekannten Niederlausitzer Urkunde aus dem Jahr 1283 wird angemerkt, dass ein gewisser Tzabil Macschirben das Dorf Cholmen an die Stadt Guben verkauft habe.“ Der zum Rufnamen – modern Zabel – angeführte zweite Name wird als Herkunftsname bezeichnet und in der Überschrift zum Text als „Ein Fall von Migration“ interpretiert. Ganz zutreffend wird nach in Betracht kommenden Ortsnamen gesucht. Es werden Mötzsch nw. Halle und Maxdorf n. Köthen angeführt. Die Überlieferung zu der Wüstung Mötzsch ist allerdings unsicher, setzt zuverlässig erst recht spät ein und kann daher hier vernachlässigt werden (vgl. E. Eichler, Slaw. ON zwischen Saale und Neiße, Bd. 2, Bautzen 1987, S. 196). Christian Zschieschang hat eine Reihe von Erörterungen angestellt, bei 1283 Macschirben „eine ungenaue Schreibung“ vermutet (S. 55) und auch in Verbindung mit der unklaren Erstsilbe auf slaw. moč- ’Nässe und mokry ‚nass‘ verwiesen. Abschließend hat er schließlich von allem Abstand genommen, denn „auf der Basis eines einzigen und noch dazu nicht sehr zuverlässigen Belegs bleiben solche Überlegungen wilde Spekulationen“ (S. 56).

Hier soll nun versucht werden, die Thematik nochmals aufzugreifen und zugleich etwas umfassender zu beleuchten. Betrachtet man die historisch belegten Namenformen von Maxdorf, heute Ortsteil von Zabitz nördlich von Köthen, so lauten diese 1166 Conradus Makecherve, 1194 Conradus Makecerve, 1265 Albertus Makecerve, um 1370 Makcerve (E. Eichler, aaO., S.171). R. Trautmann nennt noch 1302 Makecerbe (Die elb- und ostseeslavischen ON, Teil II, Berlin 1949, S. 115). Ins Auge fällt dabei, dass der ON stets als präzisierende „Zugabe“ zu in den Urkunden genannten Personen vorkommt. Die Bedeutung, das Ansehen und die Handlungen der einzelnen Personen waren demnach entscheidend für ihre urkundliche Verankerung. Das trifft auch für den Beleg mit PN + ON von 1283 zu. Es dürfte sich also um einen auch in einer entfernteren Gegend, also bei Guben, wirksam gewordenen begüterten Landeigner gehandelt haben. Es ist anzunehmen, dass das Rittergut in Maxdorf schon damals in seinem Beitz war.


Die erst spät auftretenden Schreibungen mit <b> sowohl im ON als auch im oben genannten PN sind hyperkorrekt und somit sekundär vom Deutschen beeinflusst. Zu lesen sind die überlieferten ON-Formen als Wiedergabe einer deutschen Aussprache [make-tscherve]. Der geschriebene Vokal <e> in der zweiten Silbe zeigt bereits die Reduktion eines älteren /o/ in der Position nach dem Akzent an und schwindet schließlich ganz, vgl. 1283 Macschirben und 1370 Makcerve. Progressive Assimilation führte anschließend zur Beseitigung der Aufeinanderfolge der beiden Verschlusslaute /k/ + /t/ im Deutschen und ermöglichte damit die Entwicklung mit nunmehr Reduktion des Zweitgliedes bis zu dessen völligem Schwund in der gesprochenen Form [maks]. Diese umgangssprachliche Kurzform wurde in der Kanzlei mit dem Zusatz -dorf wieder zu einem erkennbaren ON gemacht, vgl. 1402 Machstorff, 1563 Magkstorff.

Es ergibt sich bei den Belegen von Maxdorf eine auffällige Übereinstimmung mit dem oben eingangs angeführten Beinamen. 1283 Macschirben bietet beim Vergleich doch eine recht zuverlässige Schreibung für eine von Deutschen gesprochene Form zu einem aus dem slawischen Sprachgebrauch übernommenen Namen. Die Etymologie hat bereits Ernst Eichler geliefert. Als aso. Ausgangsform lässt sich recht sicher rekonstruieren *Makočiŕ- zu urslaw. *makъ ‚Mohn‘ und *čьrvъ ‚Wurm‘. Doch dann wird es unsicher. Die beiden im ON enthaltenen aso. lexikalischen Elemente mit der Semantik 'Mohn' + 'Wurm' bzw. speziell ‚Schildlaus‘ machen eine ursprüngliche topographische Kennzeichnung nach einem geographischen Merkmal unwahrscheinlich. Die im Slawischen mit mak ‚Mohn‘ gebildeten Toponyme haben außerdem auch eine völlig andere Struktur und lauten Makov, Makovica, Makovište, Makoviīče, Makovo, Makówka (V. Šmilauer, Handbuch der slawischen Toponomastik. Prag 1970, S. 118).

Das Zweitglied *čiŕin der Bedeutung ‚Schildlaus‘, aus der ein roter Farbstoff gewonnen wurde, ist jedoch in der weiteren Umgebung von Köthen gut vertreten. Dazu gehören der slawische Gauname 948 Ciervisti, 1003 in teritorio Zerbiste, 1161 (provincia) Ciervisti, sowie auch der ON Zerbst für den Hauptort des Gaues, 1012/18 Zirwisti,1196 (Kop. 14. Jh.) Cherewist (E. Eichler, Slawische ON zwischen Saale und Neiße, Bd. 4, Bautzen 2009, S. 110). Das alles spricht deutlich dafür, dass die historischen Belege von Maxdorf bis hin zum PN von 1283 Macschirben hier zuzuordnen sind.

Nun bietet unser ON aber eine recht einmalige Struktur mit dem Erstglied aso. *mak ‚Mohn‘. Etwas weiter führt da ein Blick auf zwei mit slaw. mak gebildete ON im Tschechischen. Im Anschluss an die mit *Makočiŕv´- vergleichbaren tschech. ON Makolusky 'Mohnknacker/Mohnausklopfer' und Makotřasy 'Mohnschüttler' (A. Profous, Místní jména v Čechách, Díl 3, Praha 1951, S. 5-6) ergibt sich eine vergleichbare Form *Makočiŕvi als Pluralform und damit als Bewohnername. Allerdings greift die Annahme einer Bedeutung 'die Mohnwürmer' sicher zu kurz. Der erfahrene slavistische Forscher Reinhold Trautmann hat vor 70 Jahren ausdrücklich zu der Bildung mit dem Zeitglied und seiner Bedeutung ‚Wurm‘ ein Fragezeichen (?) gesetzt (Die elb- und ostseeslavischen ON, Bd. 2, S. 115).

Der heutige Forschungsstand ermöglicht es, besonders die Bildungsweise der beiden genannten tschech. ON zu beachten. Sie zeigen die Struktur Nomen + Verb + Pluralzeichen. Im Südslawischen sind Verbformen verbreitet, die auf urslaw. *čьrviti ‚rot färben‘ beruhen, vgl. z. B. bulg. červja ‚röten, rotfärben; glühend machen‘ (weiter. auch O. Trubačev, Ėtimologičeskij slovar‘ slavjanskich jazykov, Bd. 4, Moskva 1977, S. 169). Somit lässt sich strukturell entsprechend den tschech. ON und passend zu den historisch belegten Formen Makecherve usw. vielleicht am ehesten rekonstruieren aso. *Makočiŕvi mit einer vermutlichen Bedeutung etwa ‚Mohnrotfärber‘. Es dürfte sich um einen Spottnamen handeln. Er sollte wohl auf besonders eifrig bis versessen mit dem Rotfärben befasste Bewohner weisen. Dahinter verbirgt sich also die deutlich überhöhte Aussage, die Leute würden sogar den an sich schon rot blühenden Mohn noch rot färben.

Bei dem ON Maxdorf, der auf einen zweigliedrigen aso. ON mit dem Erstelement mak- zurückgeht, hat also erst die vergleichende strukturelle Betrachtung eine gewisse Aufhellung zur Semantik gebracht. Das gilt gleichfalls für den Herkunftsnamen 1283 Macschirben und seine Zugehörigkeit zu der aso. Form des heutigen ON Maxdorf. Ob die Schreibung mit <i> noch den ursprünglichen aso. Vokal wiedergibt oder auf Unsicherheit der Vokalqualität in der nachtonigen Silbe beruht, ist nicht mehr zu klären. Das auslautende <n> dürfte eine deutsche „Zugabe“ sein, die einen Dativ anzeigt. Offen bleibt, ob es sich um eine aus einer syntaktischen Abfolge übernommene Form im Singular oder Plural handelt.

Wenn man nun zum Abschluss bedenkt, dass der Mitteilung von Christian Zschieschang als Auslöser eine Anfrage nach der Bedeutung des Namens Macschirben von 1283 zugrunde lag, wird recht deutlich, dass dazu als Schnellantwort tatsächlich nur der Hinweis „ursprünglicher ON“ möglich ist. Aber die nähere Erläuterung von Bildung und Motiv sowie der letztlich etwas verborgen gespeicherten Semantik eines solchen Namens ist nicht so ganz einfach in wenigen Sätzen realisierbar. Das allerdings muss doch hin und wieder bei der vor mehr als tausend Jahren erfolgten Prägung solcher Namen einfach in Kauf genommen werden. Der Laie wird so etwas ungern hören, wird aber damit leben müssen. Für die Bearbeitung von Anfragen ist in der Regel wohl nicht ausreichend viel Zeit verfügbar und auch heute kaum noch der erforderliche sprachhistorische sowie slavistische Überblick für die Namenauskunft vorhanden.


Der Eigenname eines Menschen

“...; denn der Eigenname eines Menschen ist nicht etwa wie ein Mantel, der bloß um ihn her hängt, sondern er ist ein vollkommen passendes Kleid, - ja wie die Haut selbst ihm über und über angewachsen, an der man nicht schaben und schinden darf, ohne ihn selbst zu verletzen.” (Johann Wolfgang von Goethe)

Goethe verfasste diesen Satz, weil er sich über Herder ärgerte, welcher sich über Goethes Namen lustig gemacht hatte.
Heute vor 270 Jahren wurde Goethe geboren, im Herbst 1765 wurde er an der Universität Leipzig immatrikuliert, das alles ist so lange her und doch hat dieses Zitat auch heute noch unglaubliche Aktualität.
Spott über den eigenen Namen kann schmerzen, wir erfahren dazu viele Geschichten in unserer täglichen Arbeit in der Namenberatungsstelle. Namen sind oft eng mit der eigenen Identität verbunden.
Wenn Name und Identität nicht zusammenpassen, dann verspüren Menschen häufig den Wunsch zu einem Namenwechsel. Auch ein zu großer Schmerz, wenn Menschen sich über den eigenen Namen lustig machen, kann den Wunsch zum Wechsel entstehen lassen. Ein sehr sensibles Thema.
Namen sind wohl doch nicht immer “Schall und Rauch”.


Leipziger Namenexpertin zu Gast in ZDF-Show

Gestern war unsere Namenexpertin Gabriele Rodríguez zu Gast in der ZDF-Show "Da kommst du nie drauf!". Promis sollten hier erraten, bei was sie die Standesämter berät.

Die ganze Sendung kann in der ZDF Mediathek noch bis zum 19.09.2019 angeschaut werden. Ab 01:05:40 wird es spannend und sie verrät im Kurzinterview mit Johannes B. Kerner sogar noch ein paar "crazy" Vornamenanfragen:

>> Hier geht es zur Sendung. <<


Chantal und Xaver

von Dieter Kremer

 

(1) Die beiden erzkatholischen Namen Chantal (weiblich) und Xaver (männlich, meist Franz-Xaver) haben zwei Dinge gemeinsam: sie sind Heiligennamen und ursprüngliche Ortsnamen. In der Tat gehen sehr zahlreiche Vornamen, meist über den Umweg eines ergänzenden Teils eines Rufnamens, auf einen Ortsnamen zurück. Besonders häufig ist dieses Phänomen bei marianischen Namen wie (María del) Carmen, (María del) Pilar, (Maria de) Fátima, (María de) Leire, (Maria de) Lourdes usw. zu beobachten. Letztlich handelt es sich um die (präzisierende) Kurzform eines längeren Namens, der den Grundnamen verdrängt, ihn oft auch vergessen lässt. Im Prinzip handelt sich um die vergleichbare „Wortbildung“ wie etwa in Metro (chemin de fer „Eisenbahn“ métropolitain) oder Auto (voiture „Fahrzeug“ automobile) usw. Diese „Verfremdung“ lässt sich in indirekter Weise auch an heutigen Kirchennamen wie Frauenkirche, Thomaskirche, Sankt Nicolai (Genitiv!) beobachten: Diese Namen setzen die alten Patrozinien („dem… geweihte Kirche“) fort, sind aber eigentlich nur noch lokalisierende Eigennamen, der konkrete Bezug zum entsprechenden „Patron“ ist meist, zumindest im protestantischen Umfeld, nicht sichtbar.

 

Der heutige Frauenname Chantal geht zurück auf die Hl. Johanna Franziska von Chantal = Jeanne-Françoise Frémyot, verheiratet mit Christophe de Rabutin, Baron von Chantal, genannt Jeanne de Chantal (1572-1641), die von der katholischen Kirche 1767 unter Papst Clemens XIII. kanonisiert“, d.h. heiliggesprochen wurde; ihr „Namenstag“ ist am 12. August. Jeanne de Chantal ist die Großmutter der Marquise Marie de Rabutin-Chantal genannt Madame de Sévigné (1626-1696), der berühmtesten „Briefschreiberin“ des 17. Jahrhunderts. Ausführlich geht Wikipedia auf „Johanna Franziska von Chantal“ ein. Entscheidend für ihren späteren Lebensweg war die Begegnung mit dem Hl Franz von Sales, mit dem sie 1610 in Annecy die Ordensgemeinschaft „von der Heimsuchung Mariens“ (Ordre de la Visitation Beatae Mariae Virginis, OVM) gründet, die im deutschen Sprachraum auch unter dem Namen Salesianerinnen oder Visitantinnen bekannt ist und 1618 vom Papst anerkannt wurde. Ihre Attribute sind Herz und Buch, sie ist Patronin für eine glückliche Entbindung.

 

Chantal ist eindeutig eine Herkunftsbezeichnung, vermutlich handelt es sich um eine Ortschaft in Monthelon bei Autun, in Richtung Chinon (Burgund). Ob es sich um den ursprünglichen Namen handelt oder er erst durch die Adelsfamilie gegeben wurde, ist nicht ganz sicher. Jedenfalls gehört er etymologisch in eine Reihe von Orten, die mit südfranzösisch (okzitanisch) Cantal, französisch Chantal, bezeichnet werden. Insbesondere der zweithöchste Berg des Massif Central (Auvergne) Plomb du Cantal, der dem Département Cantal seinen Namen gegeben hat, ist hier zu nennen; bekannt ist der aus dieser Gegend stammende Rohmichkäse (fourme de) Cantal oder Cantalet. Etymologisch liegt eine keltische (gallische) Form *cant- zugrunde, deren genaue Bedeutung (z.B. "hoch" oder "Stein") diskutiert ist.

 

Heutzutage spielt die Namenetymologie bei der Namenvergabe eher selten eine Rolle. Doch ist das Aufkommen des relativ jungen Modenamens Chantal, der sehr katholisch ist und auf einen ursprünglichen Ortsnamen zurückgeht, auffallend. Die Schreibvarianten Chantale, Chantalle, Chantall, Schantal oder Chantal als Jungenname oder Fantasiebildungen wie Chantelle oder Chantalia sind im Prinzip abzulehnen. Ausgehend von Frankreich gelangt Chantal, nicht nur in der DDR, vor allem seit den 60er Jahren (1962: 125 Fälle) zu großer Beliebtheit. Eine konkrete Erklärung für dieses Phänomen gibt es vielleicht nicht. Zu betonen ist die „Inhaltslosigkeit“ derartiger Namen, wozu heute auch der katholischste aller Frauennamen zählt: Maria, mit seiner französischen Dublette Marie. Zutreffend ist gewiss die Vermutung im NPI: »ist insbesondere auf die lautliche Anmut des Namens zurückzuführen, in dem Wohlklang und Exotismus vereint sind; die allerwenigsten kennen den Zusammenhang mit der Heiligen«.

 

Zum „Chantalismus“, als weiblichem Gegenstück zum „Kevinismus“ wurde Manches, vielleicht Voreiliges, gesagt. Chantal ist ein Modename wie jeder andere, die spontane Einordnung als „sozialer Marker“ müsste in einen erheblich größeren, auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeiteten Zusammenhang erfolgen.

 

 (2) Das Schicksal als sozialer Marker hat der Name Xaver nicht erlitten, doch ist er, im Gegensatz zur aktuellen Namenmode von Chantal, ein deutlich geographisch bzw. soziologisch (Religion) aussagekräftiger Vorname langer Tradition. Der Name geht zurück auf den Hl. Francisco de Javier de Jassú y Azpilcueta (1506-1552), Mitbegründer des Jesuitenordens und Glaubensbote (Apostel) in Indien und Ostasien. Sohn einer baskischen Adelsfamilie, geboren auf der Burg Xavier (heute Javier) bei Pamplona, traf er im Studium auf Ignatius von Loyola und gehörte zu den sieben Gründungsvätern des Jesuitenordens. 1537 übernahm er das Amt des ersten Sekretärs, seit 1540 hat er Kontakt mit dem portugiesischen Königshof (1542 erste Niederlassung der Jesuiten in Lissabon). Als Gesandter von Papst Paul III. und des portugiesischen Königs ging er nach Indien und dann als Missionar nach Ostasien. Überliefert sind mehr als 1500 Briefe und Berichte über seine Tätigkeit. Franz Xaver wurde 1622 von Papst Grepor XV. zusammen mit Ignatius von Loyola, Philipp Neri und Teresa von Ávila heiliggesprochen. 1748 wurde er zum Schutzpatron Indiens ernannt, 1904 zum Patron der Verbreitung des Glaubens, 1926 zum Patron aller katholischen Missionen und 1927 zum Patron der Heidenmission erhoben; genauere Daten im  Ökumenischen Heiligenlexikon (www.heiligenlexikon.de).

 

Xaver, als Kurzform von Franz-Xaver, ist wieder ein Ortsname, der aber kaum als solcher empfunden werden dürfte. Es handelt sich um eine baskische Bezeichnung mit etse "Haus" und barri "neu", also "Neuhaus", das in mehreren Varianten als Ortsbezeichnung überliefert ist (Javier, Echabarri, Chavarri). Die ältere Aussprache ich /ç-/ (Schreibung Xavier) die jüngere /x-/ (Javier). Beide Formen finden sich in den beliebten spanischen und portugiesischen Namen Xavier bzw. Javier. Vor allem im Italienischen ist der Sibilant charakteristisch: Saverio, im Deutschen wird nach dem Schriftbild artikuliert: /ks-/.

 

Im Gegensatz zu „neutralem“ Chantal ist (Franz-)Xaver ein typisch katholischer, vor allem im Süden verbreiteter Taufname alter Tradition.

 

 

HDV = Wilfried Seibicke, Historisches deutsches Vornamenbuch, 5 Bände, 1996/2007.

NPI = Alda Rossebastioano / Elena Papa, I nomi di persona in Italia. Dizionario storico etimologico, 2 Bände, Torino 2005.

 


Kaulitz - ein ON mit sprachgeschichtlichem Quellenwert

von Prof. Dr. Karlheinz Hengst

 

 

Östlich von Salzwedel liegt in der Altmark westlich von Arendsee das kleine Dörfchen Kaulitz. Der Name ist früh überliefert: In der Ausstattungsurkunde von Kloster Arendsee wird der Ort genannt. Es heißt dort 1184 villam teutonicam … kauliz und etwas später 1208 cauwelitz. Diese historischen Namenformen nennt schon Alexander Brückner in seiner 1879 in Leipzig erschienenen Schrift „Die slavischen Ansiedlungen in der Altmark und im Magdeburgischen“ (Nachdruck Leipzig 1984), S. 37. Im Quellenverzeichnis ist bei ihm zuerst der Codex Diplomaticus Brandenburgensis angegeben.

 

Wie wurde der ON bisher erklärt?

 

In dem bekannten vierbändigen Kompendium „Die slawischen Ortsnamen zwischen Saale und Neiße“ von Ernst Eichler ist der ON Kaulitz nicht enthalten. Die vor weit über hundert Jahren damals von Alexander Brückner als Hochschullehrer für „Vergleichende Grammatik der slavischen Sprachen an der Universität Lemberg“ gegebenen Hinweise auf einen möglichen etymologischen Zusammenhang mit einer slaw. Basis kob- wie in kobyla ‚Stute‘ oder kov- wie in koval ‚Schmied‘ lassen sich beim heutigen Forschungsstand nicht mehr aufrechterhalten. Dagegen spricht im Einzelnen:

Die ältesten Schreibungen zeigen als tontragenden Vokal zweifelsfrei ein /a/. Dieses konnte um 1200 noch nicht einer mundartlichen Senkung im Deutschen zu /o/ unterliegen. In dieser Zeit wurden die ON in der Kommunikation zwischen Slawen und Deutschen noch in ihrer ursprünglichen altsorbischen (aso.) Lautform gebraucht. Nur in den Auslautsilben traten erste Abschleifungen und Verkürzungen auf, was zumeist den Auslautvokal betraf.

Auch ist eine Spirantisierung von /b/ zu /w/ um 1200 auszuschließen. Ein solcher Vorgang ist sonst niemals so früh nachzuweisen. Er tritt erst in späterer Zeit nach 1400 urkundlich in Erscheinung und betrifft die Namen in rein binnendeutschem Gebrauch.

 

Wie sind die Belege in ihrer Lautform zu verstehen?

 

Es ist nun zuerst zu fragen, wie die historischen Belege wohl zu lesen sind, welche gesprochenen Lautformen der Verschriftlichung zugrunde liegen. Keinesfalls ist der Erstbeleg kauliz mit Diphthong zu lesen. Vielmehr gilt die Lesart [kawlits]. Das <u> gibt daher letztlich aso. /v/ wieder. Und die Schreibform cauwelitz ist zu lesen als [kawelits] mit der für unsere Tage heute ungewöhnlichen graphischen Variante von <uw> neben auch möglichen Schreibungen <uu> oder <uv> für gesprochen /w/ bzw. aso. /v/.

Damit scheiden auch alle Gedanken an eine Verbindung des ON Kaulitz mit aso. kula ‚Beule, Buckel‘ bzw. im geographischen Sinne als ‚Erhebung‘ aus.

Beachtenswert ist der in der Urkunde von 1184 gegebene Hinweis auf Kaulitz als villa teutonica. Das ist sicher so zu verstehen, dass es sich um ein in der Landesausbauzeit in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts angelegtes Dorf handelt, gegründet von deutscher Herrschaft und – oder zumindest – mit deutschen Siedlern. Den Namen aber haben die Slawen in den benachbarten Orten gegeben. Als aso. Ausgangsform ergibt sich *Kavelic-. Während die Form von 1184 bereits den Vokal in der nachtonigen Silbe infolge Synkope, also Reduktion in der Silbe direkt nach der betonten ersten Silbe, als deutsche Verkürzung im Inlaut mit [kawl-] dokumentiert, zeigt die Form kurz nach 1200 die zweite Silbe noch nach der slawischen Sprechweise unverkürzt als [kawel-] und entspricht damit der aso. Ausgangsform besser.

 

Was aber verbirgt sich nun semantisch hinter den frühen Schreibweisen? Welche Etymologie liegt dem ON Kaulitz zugrunde?

 

Auszugehen ist von einer Bildung aso. *Kavelic- mit dem aus mittelniederdeutsch (mnd.) kāavel entlehneten Lexem aso. *kavel. Das mnd. Wort hatte die Bedeutung ‚Stück Holz zum Losen, Losanteil‘. Es verweist in der ON-Form auf den bei der Neuverteilung von Land dort in der Altmark offensichtlich beobachteten Vorgang der Landvergabe mittels Verlosung. Das war ein durchaus auch andernorts angewandtes Verfahren. Die Altsorben kannten es vorher nicht und haben daher das Wort mit seinem Inhalt in ihren lokalen Dialekt entlehnt. Dieser Entlehnungsvorgang hat sich also erst in der Landesausbauzeit in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts vollzogen und ermöglicht damit eine selten so genaue zeitliche Einordnung. Bedeutungsmäßig ergibt sich somit für den ON Kaulitz etwa ‚Ort mit Landvergabe mittels Los‘ bzw. auch ‚Ort der Leute auf den Kaveln‘. Im späteren Hochdeutsch erscheint das Wort meist als Kabel, ist auch in der Flurnamenforschung mit Die Kabeln nachgewiesen (vgl. H. Naumann, Die Orts- und Flurnamen der Kreise Grimma und Wurzen. Berlin 1962, S. 271).

 

Was macht nun den besonderen sprachgeschichtlichen Wert des ON Kaulitz aus?

Dazu sind mehrere Antworten möglich und nötig:

 

1.      Es ist zunächst die Dokumentation eines Lehnwortes aus dem Mnd. im westlichen Aso. im 12. Jahrhundert. Bisher war dieses Lexem im Aso. überhaupt nicht bekannt. Es ist auch in keinem Wörterbuch zu den beiden sorbischen Sprachgebieten genannt, weil es offenbar bereits im 13. oder 14. Jahrhundert nicht mehr gebraucht und so zum Archaismus wurde. Aso. *kavel ‚Los, Losanteil‘ geriet in Vergessenheit, da keine entsprechende Landverteilung mehr erfolgte.

2.      Bisher war nur die Entlehnung poln. kawał aus dem Mnd. bekannt. Das Poln. hat das Wort auch ans Ukrainische und Weißrussische weitervermittelt (vgl. E. Berneker, Slavisches etymologisches Wörterbuch. Bd.I, Heidelberg 1924, S. 495). Es liegt somit zugleich eine ganz seltene westaso.-altpoln. Isolexe vor. Im Poln. ist das Lehnwort auch in der Familiennamengebung mit Kawał und weiteren Ableitungen nachgewiesen.

3.      Einen vergleichbaren ON findet man auch in poln. Kowalewo mi den zur Überlieferung von Kaulitz nahezu parallelen Formen 1376 Kauwil, 1399 Kawel und späterer Angleichung an ON mit poln. kował ‚Schmied‘ (vgl. K. Rymut, Nazwy Miast Polski, Bd. 5, S. 220 und das Lemma Kawel in Bd.4).

4.      Der slaw. bzw. aso. ON Kaulitz wurde von den slawischen Bewohnern in der Nachbarschaft für einen deutsch besiedelten Ort gebildet. Es liegt also keinesfalls eine „Eigenbenennung“ vor. Und der aso. Name hat sich auch durchgesetzt, ist also sowohl von der herrschaftlichen deutschen Kanzlei als auch von den Bewohnern selbst mit übernommen worden.

5.      Das aus dem ON Kaulitz sicher erschlossene aso. *kavel ist in Darstellungen zum historischen slawischen Sprachschatz künftig als eine aktuelle Entlehnung aus dem 12. Jahrhundert mit zu berücksichtigen.

6.      Abschließend ist noch zu beachten und zu erläutern, dass das Zeichen <au> für den gesprochenen deutschen Diphthong eine späte und ganz sekundäre Erscheinung in dem ON Kaulitz ist. Ein im mnd. Sprachraum gesprochenes [kawlits] wurde angepasst an bekannte Kaul-Wörter wie Kaulbarsch und Kaulquappe. Es erfolgte zu dem längst semantisch unverständlichen Kawl- eine sogenannte sekundäre semantische Verankerung in dem vertrauten und alltäglichen Kaul-. Eigentlich handelt es sich dabei aber nur um eine scheinbare sekundäre semantische Verankerung in der deutschen Sprache.


Rezension: 919 - Plötzlich König. Heinrich !. und Quedlinburg.

von Prof. Dr. Karlheinz Hengst

 

Stephan Freund, Gabriele Köster (Hg.): 919 – Plötzlich König. Heinrich I. und Quedlinburg. Schriftenreihe des Zentrums für Mittelalterausstellungen Magdeburg, Band 5. Verlag Schnell & Steiner GmbH. Regensburg 2019, 374 S., 119 Abb.

Für Historiker und zum Nordharzgebiet arbeitende Sprachforscher liegt ein Band mit neuesten Forschungsergebnissen vor. Achtzehn ausgewiesene Autoren aus Mitteleuropa haben das Wirken von Heinrich I. durchleuchtet und als Ergebnis einen stattlichen Sammelband mit einer in sich geschlossenen Thematik vorgelegt. Die Regieführung besorgte Stephan Freund als Inhaber des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.  

Der Band zu Heinrich I. und Quedlinburg ist weit mehr als eine Bereicherung der Welt der Fachliteratur. Es handelt sich bei der mit Grußworten des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt sowie des Oberbürgermeisters von Quedlinburg eröffneten Edition um ein regelrechtes Nachschlagewerk. Der thematische Bogen ist weit gespannt und reicht von Informationen zur Mittelaltergeschichte vom Thüringerreich über das 9./10. Jahrhundert bis zur Rezeptionsgeschichte von Heinrich I. in der Neuzeit.

Übersichtlich aufgebaut werden nacheinander in drei großen Kapiteln die historischen Abschnitte „Vor Heinrich“ (S. 23 – 71), „Mit Heinrich“ (S. 75 – 177) und „Nach Heinrich“ (S. !81 – 319) behandelt. Ein umfangreiches zweispaltiges Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 323 – 357) erleichtert besonders eine schnelle Orientierung über die gedruckt vorliegenden Quellen (S. 324 – 327) sowie zu weiterführender Literatur. Die Autoren mit ihren Wirkungsstätten und Forschungsgebieten sind ebenfalls aufgeführt (S. 359 – 362). Leider sind keine Adressen angeführt. Dafür aber sind ein Ortsregister sowie ein Personenregister (S. 363 – 372) getrennt beigegeben, was ein schnelles Nachschlagen und damit die Nutzung erleichtert. 

Erstmals liegt für den interessierten Leser nun ein neuzeitliches und zugleich faktenreich vertieftes Bild vom Zeitraum des 9./10. Jahrhunderts vor. Das gesamte Spektrum kann hier nicht annähernd beschrieben werden. Da treten z. B. die Rolle und nachhaltige Wirkung der „Morgengaben“ für die Gattinnen der Herrscher in der Vergangenheit an den Beispielen von Quedlinburg und Magdeburg recht klar vor Augen geführt. Die Darstellung der Beziehungen zum englischen Königshaus führen zu regelrechten Aha-Erlebnissen. Und beeindruckend ist auch, wie Heinrich I. im Laufe der Neuzeit bis hin zur NS-Zeit doch in die politischen Bestrebungen der jeweiligen Machthaber einbezogen und missbraucht wurde.

In echter umfassender interdisziplinärer Forschungsarbeit ist den Vertretern aus Geschichtswissenschaft, Archäologie, Bau- und Kunstgeschichte sowie Philologie ein ganz besonderer Wurf gelungen. Der inhaltlich weit gespannte Bogen macht das Lesen spannend. Die zahlreichen Abbildungen und Faksimiles vermitteln Atmosphäre und machen anschaulich. Die beigegebenen Stammtafeln und Übersichten erleichtern das Verständnis und werden sicher weithin immer wieder zum Nachschlagen wahrgenommen.

Die zahlreichen Karten sind für Sprachforscher zum Mittelalter besonders hilfreich. Sie bieten beeindruckend neue Einsichten und Erkenntnisse. Das beginnt bei dem eindringlichen Bild von den frühen Wegeverläufen aus der Zeit vor Heinrich I., setzt sich fort über die Erschließung der über Jahrhunderte gepflegten Prestige-Tradition im Raum Quedlinburg bis hin zu den Klostergründungen. Für die Nachbarwissenschaften sind das alles Fundgruben. Das gilt auch für Karten wie die zum Fränkischen Reich und seiner Gliederung sowie zur Ottonen-Zeit. Erstmals wird wohl auch ein Itinerar Heinrichs und eine mit Jahresangaben versehene Karte zu den Herrschaftsaufenthaltsorten vorgelegt.

Für den slavistischen Sprachforscher ist aus den Texten nach und nach zu entnehmen, dass es schwierig ist, Genaueres zu den Ambitionen von Heinrich I. gegenüber den Slawen auszuweisen. Wahrscheinlich war er bemüht, dem Hin und Her der wechselseitigen Einfälle ein gewisses Ende zu setzen und sich nach Osten hin auch mit Hilfe Böhmens endgültig der Ungarn zu erwehren. Das ist ihm letztlich auch gelungen. Ob er aber mit Vertretern der slawischen Führungsschicht bei den Lutizen im Norden oder den Daleminzern im Süden jemals Umgang pflegte, bleibt im Dunkeln. Das liegt wohl auch daran, dass sein Reisekönigtum bis auf eine Ausnahme ohne sogen. „Reichstage“ verlief und daher nicht die Anwesenheit auch von Repräsentanten aus den militärisch gewonnenen Gebieten erforderte. 

Für Arbeiten zur Namenforschung im Raum von Sachsen-Anhalt sowie auch für Einzelstudien über kleinere Gebiete ist die Nutzung des hier angezeigten Bandes nachdrücklich zu empfehlen.  

 


Einhorn und Drache als Familiennamen?

EINHORN und DRACHE sind tatsächlich Familiennamen. Sie lassen sich einordnen in die Kategorie der Familiennamen aus Wohnstättennamen. Leider hat der ursprüngliche Träger dieses Familiennamens aber nicht neben einem Einhorn oder bei Drachen gewohnt. Vielmehr handelt es sich hierbei um sogenannte Familiennamen aus Hausnamen.


Häuser hatten früher Markierungen und ab dem 13. Jhd. auch bildlichere Zeichen, zum Beispiel Bären, Lilien, Rosen aber eben auch Einhörner und Drachen. Durch diese Zeichen kamen die Häuser zu ihren Namen. Städte wie Wien oder Freiburg hatten viele Häuser mit Namen.


Besonders in Regionen, wo Häusernamen schon früh üblich waren, wurden oftmals auch Personen anhand des Hausnamens genauer identifiziert, also “Person XY (im Haus zum) Hausname”. Zum Beispiel: “Henricus zem Dragen” (Basel 1284) oder “Cunr. zem Einhorn” (Basel 1325). Dadurch sind entsprechende Familiennamen entstanden.


Nicht jeder Familienname lässt sich eindeutig zuordnen und besonders bei Familiennamen aus Hausnamen kommen oft auch viele andere Möglichkeiten in Betracht. So kann ein Mensch mit dem Familiennamen Drache auch einen furchteinflößenden Charakter gehabt haben.


Alfons

von Dieter Kremer

 

Dem heute eher veralteten Vornamen Alfons (mit den Varianten Alphons, spanisch Alfonso/Alonso, portugiesisch Afonso, italienisch Alfonso, französisch Alphonse) widmet das DHV (Historisches Deutsches Vornamenbuch) von Wilfried Seibicke einen ungewöhnlich ausführlichen Kommentar. Festzuhalten ist: Alfons gehört zusammen mit Fernando (Ferdinand), Gonzalo, Rodrigo/Ruy und Elvira zu den heute verbreitetsten Namen westgotisch-iberoromanischer Herkunft, es sind also nach Deutschland importierte, „fremde“ Namen. Als Name zahlreicher bedeutender spanischer und portugiesischer Könige, darunter Afonso Henriques, dem Begründer des Königreichs Portugal (1109-1185) und vor allem Alfonso X. „der Weise (el Sabio)“, dem bedeutenden Königs von León und Kastilien in der Blütezeit der Reconquista im 13. Jahrhundert und Kronprätendent auf den deutschen Kaiserthron (Sohn von Ferdinand III. „dem Heiligen“ und Beatrix von Schwaben, Tochter von König Philipp von Schwaben). Die genauen Verbreitungswege dieses dynastischen Namens, wohl über Italien und Frankreich, wären zu überprüfen. In Deutschland wird der Name als katholischer Taufname wohl erst im 19. Jahrhundert populär, vermutlich ausgelöst durch die Heiligsprechung des Alfonso Maria de Liguori im Jahr 1839: Der Hl. Alfons (1696-1787) ist Ordensgründer der Redemptoristen, seit 1871 „Kirchenlehrer“ und seit 1950 Patron der Beichtväter und Moraltheologen. Eine Namenverbreitungskarte dürfte Schwerpunkte erkennen lassen.

Um die sprachliche Etymologie dieses Namens hat es viele Spekulationen gegeben, die vor allem aus Unkenntnis der historischen Überlieferung entstanden sind. Seit dem 8. Jahrhundert ist der Name als Adefonsus bestens belegt. Diese Form lässt sich also eindeutig auf die Namenelemente ad- und gotisch *funs (so auch althochdeutsch) "bereit, tapfer" zurückführen. Schwierig ist die korrekte Bestimmung des Erstelements, da der Fugenvokal nicht eindeutig zu bestimmen ist. Am nächsten liegt gotisch *haƥu "Kampf" (wie etwa in Hedwig), der Name ergäbe also einen Sinn ("kampfbereit, im Kampfe tapfer"); lautlich wäre der Vorgang Ad- zu Al- nicht problematisch, vgl. etwa spanisch  nalga, port. nádega (lat. natica) "Hinterbacke". Da die Zahl entsprechender Ad-Bildungen recht groß ist, käme eventuell auch eine Kürzung *aƥa aus aƥal(a) "Adel" in Frage. Schließlich könnte sekundäres *ad- aus einem Namenelement ald-/ild- vorliegen. Erschwert wird die Interpretation durch die frühen Varianten des Königsnamen: Aldefonsus (9. Jahrhundert) und Anfunsus (11. Jahrhundert). Hier liegt eine Eindeutung und Verwechslung mit Hildefonsus (seit dem 7. Jahrhundert belegt) vor. Jedenfalls sind weder Adal- noch Hild- die direkte Grundlage für Alfonso.


Tierische Familiennamen

Warum Müller, Meier, Schmidt, wenn auch Schwan, Hase oder Löwe geht? Ja, es gibt viele Familiennamen, welche wie Tiere klingen.

Die meisten Namen leiten sich tatsächlich vom Tier ab. Aber es gibt auch Exoten wie zum Beispiel ROBBE, denn dies ist eine Koseform von dem Rufnamen Robert.


Die anderen Familiennamen sind oft Übernamen. Manchmal weisen diese Übernamen auf einen Beruf hin (FISCH für den Fischer/Fischhändler), andere Übernamen verweisen hingegen auf charakterliche Züge (HASE für einen Feigling) oder äußerliche Merkmale (FUCHS für eine rothaarige Person).


Einige tierische Familiennamen können auch von Hausnamen stammen (SCHWAN).


Oftmals kommen auch mehrere Möglichkeiten in Frage, so kann LAMM ein Berufsübername für einen Schäfer oder Fleischer sein, ein Übername für einen gutmütigen Menschen und auch ein Hausname sind ebenfalls denkbar.


Der Familienname Ilzig – seine Herkunft und Entwicklung

von Karlheinz Hengst

 

Die sprachliche Form weist bei dem FamN Ilzig in den tschechischen Sprachraum. Das gilt aber nur für die sprachliche Bildung des FamN.

Der erste Träger des FamN kann durchaus ein Deutscher in Böhmen bzw. in tschechischsprachiger Umgebung gewesen sein. Die Entwicklungsgeschichte des FamN Ilzig ist etwas kompliziert und doch auch klar durchschaubar. Dazu ist es zunächst nötig, in der sächsischen Heimat Umschau zu halten: Ganz ursprünglich liegt der griech. Name Aegidius zugrunde. Er ist in Sachsen gut bekannt geworden durch den OrtsN St. Egidien. Die Verehrung des Kirchenheiligen Aegidius ist von Franken nach Sachsen vorgedrungen und war bes. im 12. Jh. verbreitet. Der Ort St. Egidien heißt in der Mundart Tilchen oder Tilling. Diese Form Tilchen entstand infolge a) mundartlich verursachter Verschmelzung des auslautenden -t von Sankt mit dem Anlautvokal /ä/  des HeiligenN und b) dessen mundartlicher Hebung zu /i/ plus c) Einschub eines sogenannten epenthetischen /l/ vor dem /g/. Dieses /l/ diente dem Wohlklang des Namens und der Erleichterung der Aussprache. Das /g/ von Aegidius wurde mundartlich als /ch/ gesprochen (vgl. wenig – gesprochen wenich). So entstand die Form Tilch- für den ON, wobei dann noch -en als Kasuszeichen angefügt wurde (vgl. das -en bei „Zu den Teichen“).  Die Aegidius-Kirche in Erfurt heißt umgangssprachlich sankt Ilgen.

Nun weiter zum FamN Ilzig. Seine Entwicklung beruht auf der unter den deutschen Siedlern und Bewohnern in Mitteleuropa seit dem 12./13. Jh. gebräuchlichen Mundartform Ilg für den hl. Aegidius. So wie die Namen Martin, Johann(es), Jakob(us) usw. im 12./13. Jh. beliebte Rufnamen waren, wurde auch Ilg als Taufname genutzt. Da das /g/ am Wortende im Mittelalter bei den Deutschen bereits nicht mehr stimmhaft gesprochen wurde, hörten die slawischen Nachbarn den Namen als [ilk]. Im 12. und 13. Jh. haben die tschech. Nachbarn dt. Bewohner in Böhmen und auch in der Slowakei daher den Rufnamen Ilk übernommen. Im Laufe des Aufkommens von FamN im 14. Jh. ist dann der Sohn eines  Ilk von den Tschechen als z. B. Miroslav Ilk benannt worden. Damit wurde Ilk zum tschech. FamN. Dieser Name Ilk existiert noch heute sowohl als RufN als auch als tschech. FamN. Im Tschechischen wie in allen slawischen Sprachen ist es üblich, bei Rufnamen auch Verkleinerungsformen = Koseformen zu bilden. Dazu wird eine Vielfalt von Suffixen genutzt (im Vergleich dazu hat das Deutsche nur die Suffixe -chen und -lein, vgl. Gretchen und Gretel). Eine solche Koseform von Ilk ist mittels Suffix -ik gebildet worden. Das ist ein noch heute im Slawischen sehr produktives Suffix . Nach einem slaw. Lautgesetz trat stets und tritt noch heute vor /i/ ein Wandel von /g/. /k/ und /ch/ ein. Aus /k/ + /i/ entstand dabei [tschi]. Bei [Ilk + ik] ergab sich sofort die sprachliche Form [iltschik], geschrieben tschech. Ilčik. In den Kirchorten wurden die Namen in den Kirchenbüchern seit der Zeit um und nach 1500 nach dem Gehör von den Dorfgeistlichen als den einzigen Schreibkundigen niedergeschrieben. Da es damals weder Regeln für die Schreibweise noch gar solche für die Wiedergabe von tschechisch beeinflussten Namen gab, wurde also ganz individuell verfahren. Der FamN mit der Lautgestalt [Iltschik] wurde daher von dem Pastor bei Taufe oder Hochzeit eingetragen als Ilzig. Er hätte auch anders schreiben können, hat sich aber doch ziemlich „korrekt“ verhalten. Warum schrieb man im 15./16. Jh. und auch später  Ilzig? Diese Schreibweise beruht eindeutig und zweifelsfrei auf einem deutschen Schreiber. Denn a) hat er den Auslaut -ik des tschech. geprägten FamN dem deutschen Sprachgebrauch angeglichen und mit -ig wiedergegeben (wie in mächtig, würzig, zwanzig, dreißig, vierzig, aber auch wie bei FamN wie Lässig, Flämig, Heinig usw.); b) hat er den im Deutschen sonst etwas seltenen Laut [tsch] etwas vereinfachend mit -z- zu Papier gebracht. Das entsprach der Sprech- und Schreibgewohnheit bei z. B. zwan-zig, vier-zig, wür-zig usw. Insgesamt ergibt sich: Ilzig als FamN ist eine lediglich sprachlich vom Tschechischen beeinflusste Bildung. Ilzig entspricht voll und ganz inhaltlich deutschen FamN mit den Formen Ilgen und Illchen. Gemeinsam ist diesen Formen die Grundlage im umgangssprachlichen RufN Ilg. Der Name ist zuerst von deutschen Namengebern als RufN bei der Taufe verliehen worden. In einem Gebiet mit tschechischsprachigen Nachbarn ist der RufN auch bei den Tschechen im Mittelalter aus dem deutschen Sprachgebrauch übernommen worden. Und die Tschechen haben den Namen dann auch mit eines Kosesilbe ihrem Sprachgebrauch folgend erweitert. In dieser Form ist der RufN dann auch im Tschech. FamN geworden. [Im Tschech. gibt es außerdem noch die Variante mit j-Vorschlag, also dann Formen mit Jil- wie Jiljí. Das ist aber hier nicht weiter zu beachten.]


Tag des Baumes

Bäume spielen nicht nur heute für unsere Umwelt eine entscheidende Rolle, auch früher schon waren sie relevant. Es wundert nicht, dass sie sich auch in der Familiennamengebung wiederspiegeln. Zum heutigen Tag des Baumes stellen wir einige dieser Namen vor.

 

Grundsätzlich ist der Familienname BAUM in den meisten Fällen ein Wohnstättenname, für jemanden, der an einem besonders auffälligen Baum wohnte. Im Niederdeutschen kann die Person auch an einem Schlagbaum (Schranke) gewohnt haben. Es gibt viele Varianten vom Familiennamen Baum, wie BÄUMLEIN, BÄUMEL oder BOHM. Wenn von einem BAUMGÄRTNER die Rede ist, dann wohnte die Person wohl bei einem Obstgarten oder war vielleicht sogar selber ein Gärtner für Obstbäume. Ein BAUMHACKER hingegen hat Bäume gefällt. Und wenn eine Person so stark wie ein Baum war, dann wurde sie schon mal mit Übernamen BAUMSTARK genannt.


Warum sich Paare für einen Doppelnamen entscheiden

Doppelnamen sind ein aktuell brisantes Thema, gerne werden Witze über sie gemacht (wie zuletzt zum Beispiel bei Kramp-Karrenbauer oft gehört). Doch was steckt wirklich dahinter? Warum wählen Menschen Doppelnamen und wie lebt es sich damit? Auch wir vom Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig wurden dazu gefragt. Dr. Dietlind Kremer gibt in diesem Artikel ein paar Einsichten in ein spannendes Thema.

Artikel >>> Warum sich Paare für einen Doppelnamen entscheiden - volksfreund.de


Karlheinz Hengst zum 85. Geburtstag am 2. März 2019

Foto: Hengst und Kremer bei ICOS 2002 in Uppsala.
Foto: Hengst und Kremer bei ICOS 2002 in Uppsala.

Am 2. März 2019 feiert ein großer Vertreter der „Leipziger Namenforschung“ seinen 85. Geburtstag. Seit 67 Jahren, also bereits seit Studienzeiten, ist Karlheinz Hengst engstens verbunden mit der Universität Leipzig. Grund genug, um hier einigende würdigende Sätze zu schreiben, zumal er bis zum heutigen Tag und man möchte sagen „produktiver denn je“ zu namenkundlichen Themen publiziert und den Mitarbeitern des Namenkundlichen Zentrums als Berater zur Seite steht, wofür wir sehr herzlich danken.

Bei meiner Laudatio zum 80. Geburtstag hatte ich das Bild einer Perlenkette vor Augen, die sinnbildlich für die Lebensstationen des Jubilars standen. Die sich nun aufreihenden 85 Perlen, müsste man eigentlich Jahr für Jahr betrachten, was natürlich nicht geht.  Hier sollen aber einige für den Wissenschaftler und Hochschullehrer Karlheinz Hengst wichtige herausgesucht werden und in Erinnerung gebracht werden.  Meine „Kette“ (also der methodische Versuch nach memorierbarer Anschaulichkeit) für den Jubilar bietet die Möglichkeit, wichtige seiner Lebensstationen nochmals abzugehen. Im Jahr 1934 wurde der er in Marienberg im Erzgebirge geboren und legte 1952 das Abitur ab. Danach studierte er von 1952 bis 1956 an der Universität Leipzig die Fächer Russistik, Bohemistik, Bulgaristik, Lituanistik, Pädagogik und Psychologie –mit dem Ziel Lehramt. Seine akademischen Lehrer waren die Slavisten Reinhold Olesch, Wolfgang Sperber, Rudolf Růžička und Gerhard Dudek sowie der allgemeine Linguist Georg Friedrich Meier. Von besonders prägender Wirkung war für ihn der Ordinarius für Slavistik, der Sprachwissenschaftler Reinhold Olesch. Seine Examensarbeit widmete K. Hengst einer Untersuchung der Funktionen des Instrumentals im Russischen und Litauischen. Die Anregung dazu hatte er von Georg Friedrich Meier bekommen. Es folgt eine intensive die Lehr- und Forschungstätigkeit als Lehrer, Lektor und Hochschullehrer in der Lehrerausbildung in den Jahren zwischen 1956 bis 1993. Für uns steht natürlich insbesondere sein namenkundliches Wirken seit dem Jahr 1958 im Vordergrund, denn schon seit dieser Zeit begann er nebenberuflich die Sammelarbeit für seine Dissertation  zur deutsch-slawischen Namenforschung. 1961 erhielt er eine Assistentenstelle und damit die Möglichkeit, nach Leipzig zu gehen und dort seine Dissertation „Die Ortsnamen der Kreise Glauchau, Hohenstein-Ernstthal und Stollberg“ abzuschließen und 1963 zu verteidigen.  Im Jahr 1964 erschien sie im Druck und bietet bis heute wichtige Anregungen für die Erforschung des Namengutes dieser Landschaft, in der sich verschiedene Sprachschichten niederschlugen.

Auf der Grundlage seiner ganz privaten Forschung zum deutsch-slawischen Sprachkontakt habilitierte sich Hengst 1972 mit „Studien zur altsorbischen Toponymie“ an der Universität  Leipzig. Gutachter waren Ernst Eichler, Wolfgang Fleischer und Mieczysław Karaś aus Polen. 1973 erfolgte  die Berufung zum ao. Professor für Angewandte Sprachwissenschaft an der PH Zwickau. Im Jahr 1985 wurde er zum ordentlichen Professor berufen. Im Laufe der Jahrzehnte blieb K. Hengst seit 1958 im dauerhaften wissenschaftlichen Kontakt mit den Namenforschern der Universität Leipzig, vor allem mit Hans Walther und Ernst Eichler, die 1954 die Leipziger namenkundliche Arbeitsgruppe begründeten. Später natürlich auch mit Inge Bily, Erika Weber Dietlind Kremer  u.a. Er nahm über Jahrzehnte regelmäßig an fast allen wissenschaftlichen Veranstaltungen und Kolloquien teil.  Ich selbst lernte Karlheinz Hengst (mit Hans Walther und Wolfgang Fleischer war er einer der drei Vizepräsidenten des Kongresses) vor 35 Jahren, im August 1984, kennen, als in Leipzig der 15. Internationale Kongress für Namenforschung (ICOS) stattfand.  Zu danken habe ich für ein stets gutes und vertrauensvolles Miteinander, unzählige  gute Ratschläge –in guten wie in schweren Zeiten, Ermutigung, Zuspruch und unbedingte Verlässlichkeit. K. Hengst vertiefte sich besonders in Untersuchungen zum deutsch-slawischen Sprachkontakt zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert im einst altsorbischen Sprachraum. Er analysierte und arbeitete anhand des Namenwechsels von einer Sprache in eine andere z. B. deutlich Transsumptions- und Transpositionsprozess als erste Phasen im Integrationsprozess heraus. Legendär und bei Generationen der Studierenden wohlvertraut das Kürzel SSM, das der Jubilar später um ein weiteres S anreicherte („scheinbar sekundäre semantische Motivation“). All das ist in regelmäßigen Veröffentlichungen in unserer Fachzeitschrift „Namenkundliche Informationen“ (gegründet im Jahr 1964 als „Informationen der Leipziger namenkundlichen Arbeitsgruppe“), in der Reihe „Onomastica Slavogermanica“ sowie in ICOS-Kongressbänden erschienen.  Dem Redaktionsbeirat der „Namenkundlichen Informationen“ gehörte er seit dessen Gründung 1978 an. Seit 1969 in Wien hat K. Hengst bis 2005 an nahezu allen großen Kongressen der Namenforscher teilgenommen. Das Erscheinen mehrerer Bände der Reihe „Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte“ hat er durch Gutachten unterstützt. Selbst ist er in dieser Reihe mit dem Band zu geographischen Namen, d.h. Ortsnamen Südwestsachsens (2003) vertreten. Auch in der Wendezeit hat K. Hengst die Entwicklung der Namenforschung unterstützt.  So ist er Gründungsmitglied der Gesellschaft für Namenkunde e. V.  (jetzt Deutsche Gesellschaft für Namenforschung“) Ende September 1990 in Leipzig. Er gehörte quasi als auswärtiges Mitglied zum Bestand der Leipziger Namenforschung, international war er als ein Vertreter der „Leipziger onomastischen Schule“ längst anerkannt. Im Rahmen der Neugestaltung der Hochschullandschaft in Sachsen erfolgte 1993 die deutschlandweite Ausschreibung einer Professur für Onomastik. Am Rande des Trierer ICOS-Kongresses im Frühjahr 1993 bestärkte ich ihn, sich doch unbedingt auf diese Stelle zu bewerben. Er tat es und wurde zum „Vorsingen“ eingeladen. Zum 1. September 1993 erhielt er dann den Ruf an die Universität Leipzig, wo wir fast sechs Jahre bestens zusammengearbeitet haben. Als Professor für Onomastik hat sich Hengst von Anfang an voll auf seine gänzlich neue und anspruchsvolle Lehrtätigkeit konzentriert. Er hat in den Jahren seines Wirkens weit über zwanzig unterschiedliche Themen in Vorlesungs- und Seminarreihen angeboten, immer mit höchstem didaktisch methodischen Anspruch, was von den Studierenden sehr gelobt wurde, weniger dagegen seine Strenge und Unnachgiebigkeit, was Leistungen und Umgangsformen und sogar die Kleiderordnung der studentischen Jugend betraf.

Hier kann passender Weise Konfuzius zitiert werden: „Die Perle kann ohne Reibung nicht glänzen, der Mensch ohne Anstrengung nicht vervollkommnet werden“ .Sein Bemühen war es, die aus sehr unterschiedlichen Fachgebieten kommenden Studierenden in dem Nebenfach Namenforschung für die historische wie auch die synchrone Namenforschung zu erwärmen und auch entsprechend zu befähigen. Das war bei den Studenten aus überwiegend nichtphilologischen Fächern ein schwieriges Unterfangen. In der Nachfolge von Hans Walther übernahm er 1994, also vor 25 Jahren (die nächste Perle!) die Mitherausgeberschaft der „Namenkundlichen Informationen“ und zeichnete über fast zwei Jahrzehnte für den stets umfangreichen Rezensionsteil mit allen seinen Schwierigkeiten verantwortlich. Dafür ist ihm ganz ausdrücklich zu danken. Er gehört von Anfang an (seit 2004) zu den Herausgebern der Reihe „Onomastica Lipsiensia“ mit bisher dreizehn Bänden. Gemeinsam haben wir in den Jahren 2006 bis 2008 an den zwei Bänden „Familiennamen im Deutschen“ gearbeitet - lange nach seiner Emeritierung. Insbesondere der Band 6.2. „Familiennamen aus fremden Sprachen“ ist zu einem Nachschlagewerk geworden, wie es bisher zu dem Thema noch nie eines gab. Die Zeit seines Wirkens an der Universität Leipzig war zugleich bestimmt von seinem Streben nach einem breiteren und modernen Profil der Namenforschung, wohlwissend, dass es in der Zukunft nicht so weitergehen würde wie bisher. Doch diese seine Weisheit fand leider wenig bzw. kein Gehör und Verständnis bei den damals Verantwortlichen. Nach der Lutherbibel kann ich nun Weisheit und Perlen nach HIOB  28 zitieren:“ Die Weisheit ist höher zu wägen denn Perlen“, womit den Perlen aber nicht abgesprochen wird, dass sie etwas Wertvolles sind. Manche nennen ihre Kinder „Perle“ oder eben Margarete (lat. Margarita!).  Er hat es bis heute nicht verwunden, dass durch die fehlende Weisheit die Ausschreibungen ab 2008 letztlich Schritt für Schritt zur Liquidierung dieser einzigartigen  Professur hinführten. Ich auch nicht. Die Leipziger Tradition der namenkundlichen Kolloquien (neuerdings auch als Workshop innerhalb des Wahlbereichs Namenforschung) hat er durch mehrere Vorträge fortgesetzt. Über 20 namhafte Onomasten ehrten ihn 1999 in einer feierlichen Veranstaltung im Alten Senatssaal der Universität mit ihm gewidmeten Beiträgen (abgedruckt im Beiheft 20 der „Namenkundlichen Informationen“). Anlässlich seiner Emeritierung vor 20 Jahren (1999) erschienen ausgewählte Schriften von ihm in den „Beiträge zum slavisch-deutschen Sprachkontakt in Sachsen und Thüringen“. Auch im Ruhestand ist K. Hengst aktiv geblieben. Das gilt für Lehre und Forschung. Seine Leipziger Schüler Silvio und Andrea Brendler wandten aus Verehrung für ihren Lehrer viel Mühe auf und edierten im Eigenverlag eine ganz besondere Festschrift zu seinem 70. Geburtstag: Das  international mit großem Interesse aufgenommene „Lehrbuch für das Studium der Onomastik“ mit dem Titel „Namenarten und ihre Erforschung“ erschien 2004 in Hamburg, eine weitere Perle also, die vor  nunmehr 15 Jahren aufgefädelt werden konnte und seither die folgenden Studentenjahrgänge unterstützten. Erwähnt werden soll schließlich auch die Öffentlichkeitswirksamkeit für die Namenforschung durch die Sendereihe „Namen auf der Spur“ im MDR-Fernsehen in den Jahren 2005 bis 2007 - stets mit hohem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, was bei den Medien gelegentlich nicht so gern gesehen wird. Anlässlich seines 80. Geburtstages erschien das monumentale Werk: Karlheinz Hengst: Sprachkontakte, Sprachstudien und Entlehnungen im östlichen Mitteldeutschland seit einem Jahrtausend. Ausgewählte Studien zur Sprach- und Namenforschung (= Schriften zur diachronen Sprachwissenschaft, hg. v. Peter Ernst, Band 21). Wien: Praesens Verlag 2014, XXVI + 872 S., erst kürzlich rezensiert im Onomastikblog (vgl. www.onomastikblog.de/ergebnisse/dateFilter/2018/01/).

Zu wünschen ist dem Jubilar Karlheinz Hengst kräftige Gesundheit und weiterhin Kraft und Freude an der Bearbeitung namenkundlicher Themen, die ihm sicher nicht ausgehen werden.  In diesem Sinne also: Ad multos annos! Oder eben noch viele schöne Perlen an der Kette des wissenschaftlich so ertragreichen Lebens.

 

Dietlind Kremer, Leipzig


Verliebte Ortsnamen

Wie wär es denn mal mit einer romantischen Reise zu einem dieser verliebten Orte (bzw. Ortsteile)?

Natürlich klingen die Namen nur schön verliebt, meist steckt etwas anderes dahinter. Der Ort Herzberg enthält zum Beispiel das althochdeutsche Wort “hirz” für den Hirsch. Oder das Amor in Amorbach kommt vermutlich von ahd. “amar” (Sommerdinkel).

Aus heutiger Sicht klingen die Orte natürlich trotzdem schön und sind absolut passend für den heutigen Tag.


Mariä Lichtmess bzw. Mariä Reinigung

Zum heutigen Tag von Mariä Lichtmess bzw. Mariä Reinigung hat Dieter Kremer einen Blogeintrag geschrieben. Mit Klick auf den Link gelangt man zum Beitrag.

>>> Beitrag zu Mariä Reinigung von Dieter Kremer <<<

 

 


Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag an Prof. Dr. phil. habil. Walter Wenzel, einem der großen Vertreter der „Leipziger Namenforschung“

Ein besonderes Ereignis für die Leipziger Namenforschung ist der 90. Geburtstag von Walter Wenzel am 20. Januar, der gleich nach seinem Abitur vor 70 Jahren (1949) zum Studium an die Universität Leipzig kam. Nach dem Staatsexamen in Russistik, Bohemistik, Anglistik und Erwachsenenbildung arbeitete er viele Jahre als Lektor für Russisch am Slawischen Institut unserer Universität. Zunächst nutzte er die Freizeit, um sich mit NAMEN zu beschäftigen, doch bereits 1960 verteidigte er seine namenkundliche Dissertation zum Thema „Die Ortsnamen des Schweinitzer Landes“, die 1964 veröffentlicht wurde. Gutachter waren damals: Prof. Dr. phil. habil. Rudolf Fischer und ao. Prof. Dr. phil. Elisabeth Karg Gasterstädt, berühmte Namen unserer Universität. Bereits seit dieser Zeit beschäftigte sich der Jubilar auch mit der historischen Personennamenforschung des Sorbischen, die ihn bis zum heutigen Tag zu wissenschaftlichen Studien anregt. Das Thema seiner Promotion B (Habilitation) lautete 1979 „Studien zur sorbischen Anthroponymie nach Quellen des 14. bis 18. Jahrhunderts aus dem deutsch-slawischen Sprachkontaktraum an der Schwarzen Elster“. Die Gutachter hießen damals Prof. Dr. phil. habil. Ernst Eichler, Prof. Dr. phil. habil. Heinz Schuster-Šewc und ao. Prof. Dr. sc.phil. Karlheinz Hengst (PH Zwickau).

Mit seiner breiten slawistischen Ausbildung konnte er die sorbischen Personennamen immer in den gesamtslawischen Kontext einordnen bzw. zu Vergleichszwecken Namen vor allem westslavischer Herkunft heranziehen und machte sein Wissen auf zahlreichen Vorträgen in Leipzig, aber auch in der Lausitz bekannt – auch für die Allgemeinheit. Hier ist ganz besonders das Buch „Lausitzer Familiennamen slawischen Ursprungs“ zu nennen, das 1999 erschien. Die lange Liste seiner Publikationen kann im Domowina Verlag eingesehen werden oder hier.

Wir freuen uns sehr, dass Walter Wenzel uns regelmäßig im „Namenkundlichen Zentrum“ besucht, als Berater für slawische Namen der Namenberatungsstelle aktiv ist und uns zuletzt 2017 bei der Tagung „Namen und Berufe“ über seine aktuellen Forschungen informiert hat. Wir gratulieren dem Alumnus der Universität Leipzig, dem langjährigen Mitglied der Gesellschaft für Namenkunde, heute Deutsche Gesellschaft für Namenforschung, und dem Freund des Namenkundlichen Zentrums bzw. der Namenberatungsstelle ganz herzlich zum 90. Geburtstag und wünschen ihm Gesundheit und weiterhin Freude an der Erforschung von NAMEN. 


Neujahrsbabys 2019

Das Jahr 2019 war noch keine Minute alt, da kam Kurt in Dresden auf die Welt - Deutschlands erstes Neujahrsbaby dieses Jahr. Bei uns in Leipzig hat es immerhin 37 Minuten gedauert, bevor auch Felix-Alexander seinen großen Auftritt hatte.

Im Trend liegen vor allem kurze Namen, bei den Jungen oft auch einsilbig. Der kleine Felix-Alexander ist mit seinem Bindestrich-Namen da schon etwas seltener anzutreffen.

Wir wünschen allen Neugeborenen und ihren Eltern einen guten Start ins Jahr und ins Leben.


Adventskalender der Namen 2018

 

Auf unseren Social Media Kanälen öffnen wir gerade jeden Tag ein neues Fensterchen in unserem Adventskalender der Namen. Ob Vornamen, Familiennamen, Tiernamen oder Ortsnamen, alles ist vertreten.

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Martinstag

Heute ist Sankt Martinstag, ein kirchlicher Feiertag, welcher auf den Heiligen Martin von Tours zurückgeht. Der Erzählung nach, teilte er mit dem Schwert seinen Mantel und gab die eine Hälfte einem armen Mann. In der Nacht darauf soll ihm Jesus Christus mit dem halben Mantel erschienen sein. Noch heute ist der Martinstag mit vielen Bräuchen umgeben: Martinsgans, Sankt-Martins-Umzug, Martinssingen, uvm.

Wir haben vier Familiennamen herausgesucht, welche zumindest auf den ersten Blick etwas mit dem Tag zu tun haben könnten.

Allen voran natürlich der Familienname MARTIN. Er ist abgeleitet vom gleichlautenden Rufnamen und hat einen lateinischen Ursprung (lat. Mārs, der Name des Kriegsgottes). Es gibt neben Martin, noch viele andere Varianten: Martens, Merten, Marti, Mertel, Mörtel, u.a.. Auch in anderen Ländern taucht der Name auf: Martini (ital.), Martínez (span.) oder Martinek (poln./tschech.). In Frankreich gehört Martin zu den häufigsten Familiennamen überhaupt.

Wir haben erwähnt, dass er seinen MANTEL geteilt hat. Mantel ist ein Berufsübername für einen Schneider oder Träger eines auffälligen Mantels. Auch ein Herkunfts- oder Wohnstättenname kann möglich sein.

Neben dem Mantel wird der heilige Martin auch oft mit einem SCHIMMEL dargestellt. Auch Schimmel ist ein Übername und kommt von mnd. schimmel (weißes Pferd). Allerdings bezeichnet der Familienname eher die grauen oder weißen Haare des ersten Namenträgers.

Und was isst man an dem Tag? Natürlich eine GANS. Der gleichlautende Familienname kann ein Übername sein für einen Gänsezüchter. Auch möglich ist ein Übername, welcher sich auf die Abgabe einer Gans am St. Martinstag bezieht. Wir haben hier also sogar einen direkten Bezug zum heutigen Tag.


Änderung der Vornamenreihenfolge ab sofort möglich

Der erste November ist da und mit ihm eine Gesetzesänderung, welche für uns in der Namenberatungsstelle von besonderen Interesse ist. Ab heute tritt eine Änderung des Personenstandsgesetzes (PStG) in Kraft, welche dem Paragraphen §45 (Erklärung zur Namensführung des Kindes) eine Erweiterung hinzufügt, nämlich § 45a, die Erklärung zur Reihenfolge der Vornamen.

 

Das Gesetz lautet wie folgt:

§ 45a (1)

 

Unterliegt der Name einer Person deutschem Recht und hat sie mehrere Vornamen, so kann deren Reihenfolge durch Erklärung des Namensträgers gegenüber dem Standesamt neu bestimmt werden (Vornamensortierung). Eine Änderung der Schreibweise der Vornamen sowie das Hinzufügen von neuen Vornamen oder das Weglassen von Vornamen ist dabei nicht zulässig; die Artikel 47 und 48 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche und § 94 des Bundesvertriebenengesetzes bleiben unberührt. Die Erklärung muss öffentlich beglaubigt werden; sie kann auch von den Standesbeamten beglaubigt oder beurkundet werden.

 

Wenn ein Mensch also mehrere Vornamen hat, dann kann er jetzt die Reihenfolge beliebig ändern. Damit soll folgende Problematik gelöst werden: Nicht immer ist der erste Vorname auch der tatsächliche Rufname, jeder Vorname kann inzwischen der Rufname sein. Früher wurde der Rufname noch unterstrichen, heutzutage gibt es diese Regelung nicht mehr. Für viele Menschen kommt es im Alltag daher zu Schwierigkeiten, wenn Behörden oder Unternehmen zum Beispiel im Briefverkehr den ersten Vornamen benutzen, dieser aber nicht der eigentliche Rufname ist. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, können die Vornamen ab jetzt beim zuständigen Standesamt umgestellt werden.


Symposium "Namenforschung im Spannungsfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit"

 

Gabriele Rodríguez von der Namenberatungsstelle an der Universität Leipzig war in Linz und berichtet vom Symposium.

>>> Hier geht's zum Bericht. <<<


Wie heißt Du? - für die Namenforschung sind Rufnamen soziale Marker

 

Unter dieser Überschrift kann aktuell ein kleiner Beitrag zu unserer Arbeit im Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig angesehen werden. Schon vor Wochen filmte 3sat bei uns in der Namenberatungsstelle und bei unseren Studenten im Wahlbereich Namenforschung.

Im Beitrag geht es vor allem um die Wirkung von Rufnamen auf andere Menschen. Empfinden Menschen einen Namen als alt oder modern, als attraktiv oder unattraktiv, immer wieder ein spannendes Thema.

 

Auf der Seite von 3sat nano findet man den Beitrag:

Videobeitrag zur Namenforschung

 

 


Namenkundliche Tagung in Mexiko

Am 26. und 27. Juli 2018 findet die erste namenkundliche Tagung an der Autonomen Universität der Stadt Mexiko (UNAM) in Mexiko statt, die von Yolanda G. López Franco (Mexiko) und Márcia S. Seide (Brasilien) organisiert wurde. Unsere Namenexpertin Gabriele Rodríguez vom Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig ist heute per Konferenzschaltung live mit dabei. Ihr Vortrag beschäftigt sich mit dem Thema “Vornamen in Deutschland als Träger sozialer Informationen”.

Es ist die erste Veranstaltung dieser Art überhaupt in Mexiko. Neben Namenforschern aus Mexiko nehmen auch Wissenschaftler aus Spanien, Brasilien und Deutschland (Universität Leipzig) teil. Das Namenkundliche Zentrum der Universität Leipzig unterhält schon seit 2005 Kontakte zu Namenforschern in Mexiko und Kuba.


Heute ist Anna- bzw. Annentag!

Heute ist Annen- bzw. Annatag. An diesem Tag wird in der katholischen Kirche der heiligen Anna gedacht. Sie war die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesu Christi. Seit dem Mittelalter wird sie als Heilige verehrt. Im Jahr 1584 legte Papst Gregor XIII. den 26. Juli als ihren Festtag fest. Sie ist die Schutzheilige der Hausfrauen, Witwen und Armen. Sie soll gegen Fieber, Kopfschmerzen und Gewitter schützen.

In einigen Städten wird der Tag besonders groß gefeiert. In Brakel findet jedes Jahr die Annenkirmes statt. Im Stadtbild ist der Name häufig vertreten (Annenkapelle, St. Annahaus, Annenbach, Annenbrunnen, Annengasse, …). In Düren wird das Haupt Annas verehrt, dort findet zur gleichen Zeit die Annakirmes statt.

Der Name Anna ist hebräischen Ursprungs und bedeutet Anmut/Liebreiz. Der Name erfreut sich schon sehr lange großer Beliebtheit. Während Maria aus Ehrfurcht bis ins 16. Jhd. nicht vergeben wurde, ist Anna schon im 14. Jhd. sehr beliebt gewesen. Auch heute ist der Name immer noch beliebt. 2017 war Anna auf Platz 14 der beliebtesten Mädchennamen in Leipzig.

Auf der Grafik sind oben die vielen Neben-, Kurz- und Koseformen von Anna abgebildet. Unten stehen häufige Kombinationen mit Anna und Anne. Hierbei sind immer zwei Namen zu einem verschmolzen, z.B. Anna + Lisa (Elisabeth) = Annalies.


KILIANI - Namenstag des heiligen Kilian

Der Name KILIAN ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie es dazu kommt, dass sich bestimmte Namen in einer Region häufen.

Heute ist Kilianstag, der Gedenktag zu Ehren des heiligen Kilian. Er war ein irischer Missionar, welcher 686 n. Chr. in Würzburg ankam. Kilian ist Schutzpatron von Würzburg. Er wird bei Augenleiden, Gicht oder Rheuma aufgerufen.

Der 8. Juli gilt im Bistum Würzburg als Hochfest. Um diese Zeit findet auch immer die Kiliani-Wallfahrtswoche mit Gottesdienstfeiern, vielen Veranstaltungen und Märkten statt. Im Rahmen dieser Woche öffnet auch das Kiliani-Volksfest.

In der Grafik sieht man, wie auch der Name Kilian (altirisch killena ‘Kirchenmann’) in der Region deutlich häufiger vertreten ist, als in anderen Regionen. Die Verehrung des heiligen Kilians und die Wiederspiegelung des Namen im Stadtbild tragen sicher dazu bei.


Namenforschung und Prager Frühling

Erinnerungen und Gedenken nach 50 Jahren

(ein Beitrag von Prof. Dr. Karlheinz Hengst)

1968 erlebten Tschechen und Slowaken unter Dubtschek Demokratisierungs-Ansätze im damaligen „sozialistischen Lager“. Noch kurz vor der gewaltsamen Beendigung dieser geschichtlichen Episode konnte ich eine Woche lang die kurzzeitig veränderte und ganz neue Atmosphäre in Prag erleben. Sie ist als „Prager Frühling“ in die europäische Geschichte eingegangen.

Im „Osten“ aufgewachsen mit den Erlebnissen vom 17. Juni 1953 in Leipzig, den scharfen Schüssen aus Panzern auf demonstrierende Bauarbeiter, dann die Nachricht vom verordneten Abbruch der Sophien-Kirche als evangelischer Hofkirche in Dresden 1962/63 und schließlich auch noch die Sprengung der Universitäts-Kirche in Leipzig am 30.Mai 1968, bot mir Prag im August 1968 ein ganz anderes Bild.

Anlass für meine Pragreise war der Internationale Slavistenkongress an der Karls-Universität vom 7. bis 13. August 1968. Der zu jener Zeit offiziell mögliche Privatbesuch im Rahmen des sogen. „Kleinen Grenzverkehrs“ erlaubte mir den Erwerb einer Reisegenehmigung bei eigener Finanzierung aller Kosten. Damit wurde ich zum einzigen östlichen „Privatteilnehmer“ am Kongress. Zu der recht großen offiziellen Delegation von Wissenschaftlern aus der damaligen DDR gehörten nur zwei Namenforscher aus Berlin, die Herren Teo Witkowski und Reinhard E. Fischer von der Berliner Akad. d. Wissenschaften. Ihre Teilnahme hatte ihr Chef als Direktor des Instituts für Slavistik durchgesetzt. Den damals schon weithin bekannten Forschern Ernst Eichler und Hans Walther aus Leipzig wurde die Teilnahme verwehrt und, wie ich von Ernst Eichler erfuhr,  sogar dienstlich untersagt.

Somit war ich der unvorhergesehene „Überraschungsgast“ für die Überwachungskräfte innerhalb der DDR-Teilnehmer. Das hat auch durchaus mehr als Verwunderung ausgelöst.  Dieser besondere „Status“ erlaubte es mir aber, erstmals Kontakte zu jungen Teilnehmern mit onomastischen Interessen aus dem westlichen Europa zu knüpfen. Für mich außerhalb der  DDR-Delegation galt ja keine „Verhaltensdirektive“! und unerwartet hatte ich schon am zweiten Tag sogar Gelegenheit, meinen ersten akademischen Lehrer Reinhold Olesch nach 15 Jahren wieder zu sprechen. Er war Ende 1952 von Leipzig nach Köln gegangen, leitete dort das Institut für Slavistik und war Herausgeber der Reihe „Slavistische Forschungen“ sowie zusammen mit dem Historiker Walter Schlesinger und dem Germanisten Ludwig Erich Schmitt auch der bekannten Reihe „Mitteldeutsche Forschungen“.

Die Kongress-Atmosphäre war ausgesprochen aufgeschlossen und sehr gastfreundlich. Der damals noch junge Rudolf Šrámek aus Brünn und seine Frau als Volkskundlerin saßen in den Pausen und auch mehrmals am Nachmittag mit mir zusammen. Sie waren in den letzten Monaten sichtlich aufgelebt und schilderten mir das veränderte sowie „befreite Leben“ mit vielen Details aus ihrem Alltag. Reinhold Olesch machte mich mit Koryphäen der slavistischen Linguistik bekannt, so u. a. mit Erwin Koschmieder (München), Henrik Birnbaum (Los Angeles), Ruben Avanesov und Samuil Bernštejn (beide Moskau). Mit dem Berliner Slavisten Klaus Müller und Otto Kronsteiner aus Wien gab es bei Kaffee informative Gespräche, auch über die Onomastik hinaus. Bei kräftigem Regen brachte uns Otto Kronsteiner mit seinem „hässlichen Entlein“ sicher ins Hotel nach Vinohrady.

Der Kongress bot zur Namenforschung damals lediglich eine Sektion mit 15 Vorträgen. Das war aber z. B. im Vergleich zur Sektion „Historische Dialektologie“ mit nur vier Vorträgen eine durchaus beachtliche Anzahl. Unter den Referenten waren so klangvolle Namen wie Rospond und Karaś (Polen), Duridanov und Zaimov (Bulgarien), Vanagas (Litauen), Petrovici (Runänien) und Sipos (Ungarn). Von deutscher Seite gab es drei Vorträge aus Berlin Leipzig und Regensburg. Meine Mitwirkung beschränkte sich auf Beteiligung an der Diskussion. Einen Vortrag hatte ich im Vorfeld ja gar nicht anmelden können.

Thematisch dominierten in der Sektion Onomastik[1] zwei Aspekte: Arbeiten zum Slawischen Onomastischen Atlas und Überblicke zum slawischen Erbe in verschiedenen Einzelsprachen.

Im Rückblick auf den Kongress in Prag haben sich in den Folgejahren die Arbeit am Slawischen Onomastischen Atals sowie die Bearbeitung des früh überlieferten Namenguts als dauerhaft erwiesen. Das gilt für die onomastischen Forschungen in Deutschland sowie in ganz Europa allgemein, ebenso aber auch für die Leistungen in den einzelnen Zentren mit slavistischen Schwerpunkten vor allem in Berlin und Leipzig. Mir persönlich haben die im August 1968 – nur  zwei Wochen vor der gewaltsamen Beendigung des Prager Frühlings –  geknüpften Kontakte in den Folgejahren zu manchem Gedanken- und auch Buchaustausch verholfen.

Es hat dann nach 1968 nochmals über zwanzig Jahre gedauert, bis nach den gewaltfreien Demonstrationen in Leipzig und dem Fall der Berliner Mauer eine heute als ganz normal erscheinende Vereinigung auch aller wissenschaftlichen Bestrebungen in Deutschland und anschließend auch im europäischen Maßstab möglich wurde. Auch daran sei erinnert.

 


[1] Die Akten des Kongresses sind in zwei Bänden erschienen: VI. mezinárodní sjezd slavistů v Praze 1968. Akta sjezdu. Praha 1970 (insgesamt  780 S.). Für die freundliche Zusendung  beider  Bände zum Weihnachtsfest   1970 danke ich heute nochmals meinem Freund und Kollegen Prof. Dr. Rudolf Šrámek in Brno.


Vatútinki – die Unterkunft der deutschen Fußballnationalelf in Moskau

(ein Beitrag von Prof. Dr. Karlheinz Hengst)

Der Name war in Deutschland bisher unbekannt. Das ist auch nicht verwunderlich. Schließlich handelt es sich um den eigens für die Fußballweltmeisterschaftspiele in Russland 2018 errichteten Neubau einer Hotelgruppe in dem dort als Neu-Moskau bezeichneten Neubaugebiet im Südwesten von  Moskau. Die Hotelgruppe  „Vatútinki Hotel Spa Complex“ liegt etwa 15 km entfernt von der rund um Moskau führenden äußeren Ringstraße.

Sprachlich beruht der Name Vatútinki – mit Betonung der zweiten Silbe – auf der Weiterverwendung des Familiennamens Vatútin. Dieser Name ist schon 1495 in Novgorod verzeichnet: Michail Ivanovič Vatutin (Veselovskij, Onomastikon. Moskva 1974, S. 64). Auch 1538 Vatutin ist erwiesen (Tupikov, Wörterbuch altrussischer Personennamen. Köln, Wien 1989, S. 500). 

Der Familienname Vatutin  ist eine Bildung von dem Rufnamen Vatuta. Dieser ist wie der Familienname Vatin  als Bildung von Vata ebenfalls auf eine  Kurznamenform Vata zurückzuführen. Die sprachliche Herkunft des Personennamens ist unklar (vgl. Superanskaja, Slovar´ russkich ličnych imen [Lexikon russischer Rufnamen]. Moskva 2004, S. 140). Am wahrscheinlichsten erscheint, dass es sich bei Vata um eine Kurzform von dem christlichen Personennamen Savvatej handelt, der eine Entlehnung ist aus griechisch Sabbátios   (vgl. Unbegaun, Russkie familii [Russische Familiennamen]. Moskva 1989, S. 43). Dieser Name wurde einst dem am Sabbat-Tag Geborenen verliehen. Gleicher Herkunft ist sicher auch der russische Familienname Savateev  (vgl. Fedosjuk, Russkie familii. Populjarnyj ėtimologičeskij slovar‘ [Russische Familiennamen. Populärwissenschaftliches etymologisches Wörterbuch]. Moskva 2002, S. 173).          

Offen bleibt, welche konkrete Person als Träger des Namens Vatútin  aus dem Moskauer Raum in dem Hotel-Komplex-Namen Vatútinki weiterlebt. Die suffigierte Pluralform auf –ki gibt die toponymische Referenz vor allem bei jüngeren Städtenamen an, vgl. die Namen von Städten wie Chimki, Faljonki, Osinki, Rowenki .    


Familiennamen zur Fußball-WM 2018

Wenn selbst die Brötchen beim Bäcker aussehen wie Bälle, ja dann ist definitiv wieder Fußball-WM. Heute beginnt das ganze Spektakel. Bis zum 15. Juli sind wohl die Plauderthemen während der Kaffeepause bestimmt durch Bälle, rote Karten, Tore und sonstige Highlights.

Aber auch Familiennamen eignen sich gut als Gesprächsthemen zur WM 2018. Durch die große Vielfalt an Familiennamen finden sich auch zum Thema Fußball passende Namen. Natürlich haben sie im eigentlichen Sinne nicht viel mit Fußball zu tun.

BALLWEG kommt von Baldeweg (mhd. balde ‘schnell’; mhd. enwëc ‘hinweg’) und steht für einen rastlosen Menschen. KICK ist ein Übername und steht für ‘frisch, munter, mutig’. PASS ist ein Wohnstättenname für jemanden, welcher an einem Durchgang (Pass) wohnte. Und ein TORWÄRTER (auch Torwart, Torwerter, Thorhutter) hat sicherlich früher andere Tore bewacht als Fußballtore.

Allen Fußball-Fans wünschen wir eine schöne WM-Zeit.


Royale Hochzeit: Prince Harry

Die letzten Hochzeitsvorbereitungen von Prince Harry und Meghan Markle sind sicherlich im vollem Gange. Vor dem großen Tag haben wir uns nochmal die Vornamen von Prince Harry angeschaut.


Als HENRY wurde er offiziell getauft, genannt wird er jedoch HARRY. Dies ist eine Nebenform von Henry, welcher wiederum auf Heinrich zurückgeht. Heinrich ist ein germanischer Rufname mit den Namenwörtern ahd. heim >Haus< und ahd. rīhhi >Herrschaft, reich, Macht<. Die Bedeutung des Namens ist in diesem Falle sicher ganz zutreffend. Zumindest die Form Henry ist inzwischen auch in Deutschland sehr beliebt. Platz 19 auf der Vornamenliste hatte Henry letztes Jahr in Leipzig inne. Insgesamt wurden 31 Kinder Henry genannt. Weitere 14 Kinder bekamen die Schreibweise mit i, Henri.


Dass Nachbenennung ein wichtiges Motiv in der königlichen Familie ist, darüber berichteten wir neulich schon. Bei dem Namen CHARLES liegt es auf der Hand, nach wem der Name vergeben wurde. Charles ist die englische bzw. französische Form von Karl. Ein alter germanischer Name, welcher wohl von ahd. karl “Mann” kommt.


ALBERT ist eine zusammengezogene Form von Adalbert. In diesem germanischen Vornamen stecken die Namenwörter ahd. adal >edel, Abstammung< und ahd. beraht >glänzend, berühmt<. Von “glänzender Abstammung” passt doch ebenfalls sehr gut.


Die ersten drei Namen gehen also auf germanische Rufnamen zurück. Name Nr. 4 ist hier die Ausnahme. DAVID ist hebräischen Ursprungs, die Bedeutung ist jedoch nicht ganz geklärt. Er könnte >Liebling< bedeuten, aber auch >Vatersbruder< oder er könnte ein Thronname sein.


Royale Hochzeit: Meghan Markle

Weniger als eine Woche, dann ist es soweit: das royale Ereignis des Jahres, die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle. Passend dazu haben wir uns den Namen von Meghan mal genauer angeschaut.

 

MEGHAN (auch Megan) ist eine Koseform von Margaret. Dieser wiederum ist die englische Form von MARGARETE, ein Name lateinischer Herkunft. Er leitet sich von lat. margarīta >Perle< bzw. griech. margarítēs >Perle< ab. Auch der Blumenname Margerite (Gänseblümchen) leitet sich vom Wort >Perle< ab. Die Blütenköpfe wurden mit Perlen verglichen, daher die Bezeichnung.

Vor allem im Mittelalter fand der Name Margarete große Verbreitung. Dies steht im Zusammenhang mit der heiligen Margarete von Antiochia (3./4. Jhd.), welche, der Legende nach, den Teufel in Drachengestalt mittels eines Kreuzes besiegt haben soll. Zudem zählt sie zu den vierzehn Nothelferinnen und ist Schutzheilige der Bauern, Gebärenden und Wöchnerinnen.

Auch in anderen Ländern gibt es Varianten von Margarete: Margherita (ital.), Margarita (span.), Marguerite (frz.), Margaret (engl.), Margareta (schwed.), Margit (ungar.), Marjeta (tschech.) oder Ma∤gorzata (poln.).

Weiterhin gibt es auch viele Kurzformen oder Weiterbildungen zum Namen, wie Marga, Margitta, Margot, Margrit, Grete, Gretchen, Gretel, Griet, Grietje oder Greta, heute besonders beliebt, Greta. Dieser Name war letztes Jahr in Leipzig auf Platz 6 der beliebtesten weiblichen Vornamen. Die Vollform Margarete schaffte es hingegen nicht in die Top100.

 

Ihr eigentlicher erster Vorname ist übrigens RACHEL. Ein interessanter Zufall ist, dass sie in der TV-Serie “Suits” ebenfalls einen Charakter namens Rachel spielte. Der Name hat einen hebräischen Ursprung und kommt von hebr. rāhel >Mutterschaf<. In der Bibel war Rachel die Tochter Labans und die jüngere Schwester von Lea. Sie war außerdem die Mutter von Josef und Benjamin. Weitere Formen von Rachel sind unter anderem Rachela (poln.), Rachil (bulg.), Rachele (ital.) und Raquel (span.). Auch gibt es noch die Schreibvariante RAHEL in Deutschland. Sowohl Rachel aber auch Rahel waren letztes Jahr jedoch zumindest bei Leipziger Eltern nicht besonders beliebt, insgesamt gab es nur 3 Eintragungen.

 

Zu guter Letzt, haben wir uns natürlich auch den Familiennamen MARKLE etwas genauer angeschaut. Der Familienname ist eine amerikanisierte Variante von dem Familiennamen Markel. Eine Koseformen zu Rufnamen, welche mit dem Namenwort marcha >Grenze< gebildet wurden. Dazu zählen Namen wie Markward oder Markhard. Und wem hier die Ähnlichkeit zum Familiennamen MERKEL auffällt, der liegt genau richtig. Auch dieser Name lässt sich auf Rufnamen wie Marward zurückführen.


Workshop: "Aktuelles aus der Welt der Vornamen" am 16. Mai 2018

Wer an der Welt der Vornamen interessiert ist, der sollte sich diesen Termin merken. Am 16. Mai 2018 hält unsere Namenexpertin Gabriele Rodríguez einen Workshop zu aktuellen Vornamen. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen, einmal einen kleinen Eindruck in das große Feld der Namengebung zu bekommen.

 

Gabriele Rodriguez ist seit 1994 Namenberaterin an der Universität Leipzig tätig und publiziert zu verschiedenen namenkundlichen Themen. Zuletzt erschien ihr Buch "Namen machen Leute. Wie Vornamen unser Leben beeinflussen" (2017), das großes öffentliches Interesse hervorgerufen hat.

 

Der Workshop findet von 13:15-14.45 Uhr im Seminargebäude (R. 126) der Universität Leipzig statt.


Kosenamen

Man unterscheidet generell zwischen dem offiziellen Namen und inoffiziellen Namen. So geben sich Liebespaare gerne einen Kosenamen, um die enge Beziehung zueinander auszudrücken. Ganz klassisch, kann man natürlich einfach eine Abkürzung des Vornamens wählen, aber auch andere Bezeichnungen werden gerne genutzt. Auf der Grafik haben wir ein paar in Deutschland besonders beliebte Varianten zusammengefasst. Schatz und Schatzi sind die am häufigsten benutzten Kosenamen.

Auch in anderen Ländern sind Kosenamen beliebt. In England sagt man gerne “Darling” (Liebling), in Frankreich ist “Mon cœr” (mein Herz) beliebt, in Spanien “Mi cielo” (mein Himmel).

Problematisch wird es bei den Kosenamen nur, wenn ein Partner sich unwohl fühlt mit dem Namen oder wenn besonders intime Namen plötzlich im öffentlichen Raum genannt werden.


Familiennamen nach Wesensart

Familiennamen haben verschiedene Ursprünge. Allgemein unterscheidet man fünf Gruppen von Familiennamen (1) FamN nach Rufnamen, (2) FamN nach dem Beruf, (3) FamN nach der Herkunft, (4) FamN nach der Wohnstätte und (5) FamN aus Übernamen.

In diesen jeweiligen Gruppen kann man die Namen nochmals nach bestimmten Kriterien sortieren. So kann man Übernamen zum Beispiel nach körperlichen oder charakterlichen Merkmalen unterscheiden. Auch Gegenstände, Jahres- und Tageszeiten und wichtige Ereignisse sind Ausgangspunkte für Übernamen gewesen. Die Liste der Gruppen ist lang, wir wollen euch heute eine Gruppe näher vorstellen: Übernamen aus charakterlichen Merkmalen, also nach der Wesensart eines Menschen.

Diese Namen wurden üblicherweise als Beinamen von Mitmenschen an eine Person vergeben, wenn die Person besonders ausgeprägte Charaktermerkmale hatte. Daher sind sowohl positive als auch negative Eigenschaften vertreten. Auf der Grafik sind einige Beispiele aufgeführt.

Mehr Namen findet man im dtv-Atlas “Namenkunde” von K. Kunze.


Namen aus der Literatur

Literatur kann gesellschaftliche Prozesse prägen, das ist keine neue Erkenntnis. Es verwundert daher nicht, dass auch die Namengebung von der Literatur geprägt wird.

 

Namen aus beliebten Romanen finden sich natürlich auch in der Vornamengebung wieder. Manchmal erfinden Schriftsteller auch Namen, welche dann zu gebräuchlichen Namen werden. Auf der Grafik sind einige Namen sehen, welche von Autoren erfunden wurden bzw. in dieser Form zuvor nicht üblich waren.

 

Zusätzlich stehen hier noch die jeweiligen Schriftsteller:

 

Aitor (J. A. Chaho), Cedric (W. Scott), Cordelia (W.Shakespeare), Dorian (O. Wilde), Fiona (J. MacPherson), Jessica (W.Shakespeare), Loredana (I. Zuccoli), Madita (A. Lindgren), Miranda (W. Shakespeare), Ophelia (I. Sannazzaro - bekannt durch Shakespeares Ophelia), Pamela (P. Sidney), Ronja (A. Lindgren), Selma (J. MacPherson), Thelma (M. Corelli), Vanessa (J. Swift)

 

 




... wenn Namen zu Beleidigungen werden

Die meisten Menschen haben in ihrem Leben sicher schon einmal das ein oder andere Schimpfwort benutzt. Schimpfwörter haben verschiedene sprachliche Herleitungen, so kommen manche Schimpfwörter auch von Namen.

Historisch haben sich eher Kurzformen von Namen zu Schimpfwörtern entwickelt. Das Bildungsbürgertum benutzte früher überwiegend die Vollform eines Namens (z.B. Heinrich), während es bei den Bediensteten auch mal die Kurzform sein durfte. Kurzformen wie Heini werden daher mit bildungsfernen Menschen assoziiert. Ob ein Name zum Schimpfwort wird, ist zudem regional abhängig.

Mit seinen Geschichten vom Struwwelpeter oder Suppen-Kaspar hat Heinrich Hoffmann ebenfalls Namen mit bestimmten negativen Verhaltensweisen assoziiert.

Und ja, die Bezeichnung “Tussi” stammt vom Namen Thusnelda ab.


Woher kommt der Familienname NONNENMACHER?

Woher kommt nur dieser besondere Familienname?

Insgesamt gibt es diesen Namen über 400x in Deutschland, vor allem in Baden-Württemberg häuft er sich.

Wenn wir solche Fragen schon stellen, dann kann man davon ausgehen, dass der Name einen wohl erst einmal auf die falsche Fährte locken wird.

Es handelt sich nicht um die Berufsbezeichnung für einen Pfarrer und auch ein frommer Mensch kommt hier nicht in Frage.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Familiennamen NONNENMACHER um eine Berufsbezeichnung für einen Viehkastrator. Als mhd. nunne/nonne bezeichnete man früher eine verschnittene Sau. Ein Nonnenmacher ist also ein Sauschneider, jemand der Schweine kastriert hat.


Frohe Ostern

Frohe Ostern wünscht das Namenkundliche Zentrum der Universität Leipzig.

Wir haben diesmal ein paar passende Straßennamen herausgesucht. Vor allem mit "Hase" gibt es in Deutschland sehr viele Varianten.


333. Geburtstag von Johann Sebastian Bach

Heute vor 333 Jahres wurde Johann Sebastian Bach geboren. Bach ist bis heute unzertrennlich mit Leipzig und der Thomaskirche verbunden, war er doch von 1723 bis 1750 Thomaskantor ebenda.

Wir haben zu diesem Ehrentag einen besonderen Beitrag zu den Namen seiner in Leipzig geborenen Kinder zusammengestellt.

 

>>> Beitrag zu den Namen von Johann Sebastian Bachs Kindern <<<

 

 


Familiennamen zum Frühlingsanfang

Auch wenn es sich nicht so anfühlt, laut Kalender ist heute Frühlingsanfang (und es schneit in Leipzig!). Wir wollen dem Frühling mal etwas auf die Sprünge helfen und haben frühlingshafte Familiennamen herausgesucht.

Viele dieser Namen sind Wohnstättennamen, dass heißt der ursprüngliche Namensträger lebte zum Beispiel in der Nähe eines auffälligen BAUMes oder an einer WIESE. Aber auch charakterliche Eigenschaften von Menschen sind vertreten, zum Beispiel der Name SONNENSCHEIN, welcher für einen heiteren Menschen stand. Der Familienname KNOSPE bezeichnete hingegen einen kurzen, dicken Menschen. Bei SPAZIERER stand eine Verhaltensgewohnheit als Benennungsmotiv im Vordergrund. Ein Patronym ist (gut versteckt) ebenso in dieser Sammlung enthalten. Bei WOLKE handelt es sich um eine Variante des Rufnamen Walther. Der Familienname BLATT hat wenig mit den grünen Blättern am Baum gemein, vielmehr haben wir hier einen Berufsübernamen für einen Hersteller von Plattenpanzern.


Familiennamen zur Leipziger Buchmesse 2018

Die Leipziger Buchmesse wurde gestern offiziell eröffnet. Ab heute kommen auch die vielen Besucher in den Genuss von tausenden Büchern.

Wir schauen uns deshalb zum Thema passende Familiennamen an.

BUCH/ BÜCHER: Man könnte meinen der Name hat etwas mit Büchern zu tun. Viel wahrscheinlicher ist aber ein Wohnstättenname für zu mhd. buoche ‘Buche’. Der ursprüngliche Namensträger war wohnhaft an einer auffälligen Buche oder einem Buchenwald. Auch ein Herkunftsname ist bei dem Familiennamen BUCH eine Möglichkeit.

Anders verhält es sich bei den Namen BUCHBINDER/ BUCHBENDER/ BUCHDRUCKER. Diese sind erst nach Erfindung des Buchdrucks im 15. Jhd. entstanden sind. Die meisten Familiennamen sind eher entstanden.

Zum Schluss haben wir noch den Familiennamen LESER. Steht dieser für jemanden der gerne liest? Naja, eher für jemanden der viel vorgelesen hat, zum Beispiel einen Lehrer. Möglich ist aber auch ein Weinleser.

Wir wünschen allen Besuchern viel Spaß auf der Buchmesse.


Neuerscheinung: Namen und Berufe (Onomastica Lipsiensia, Band 13)

Ab diesem Monat steht der neue Onomastica Lipsiensia Band “Namen und Berufe” zur Verfügung.

Es handelt sich hierbei um die Akten der gleichnamigen Herbsttagung, welche 2017 von der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung e.V. im Zusammenarbeit mit dem Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig ausgerichtet wurde. Der Band erscheint im Leipziger Universitätsverlag.

Das Inhaltsverzeichnis kann hier eingesehen werden.

 

Dieter Kremer (Hg.): Namen und Berufe. (=Onomastica Lipsiensia. Leipziger Untersuchungen zur Namenforschung, Band 13), Leipziger Universitätsverlag.

ISBN 978-3-96023-175-2

Broschur, 394 Seiten

49,- €


Beliebte Anfangsbuchstaben bei weiblichen Vornamen

Zum internationalen Frauentag haben wir heute beliebte Anfangsbuchstaben bei Vornamen für Mädchen. Als Quelle dient uns die Leipziger Statistik der beliebtesten Vornamen (Erstnamen) aus dem Jahr 2017.

Wir haben dort nachgezählt, welcher Anfangsbuchstabe denn am häufigsten vergeben wird. Und das Rennen hat knapp der Buchstabe “M” für sich entschieden. Sowohl Namen mit M als auch L wurden über 500x vergeben. Am Ende machten sieben zusätzliche Namen mit M den Unterschied (520x zu 513x). Deutlich abgeschlagen liegt E auf dem dritten Platz (416), obwohl die beiden beliebtesten Namen Emma und Emilia mit diesem anfangen. Den vierten Platz macht der Buchstabe A mit 407 vergebenen Erstnamen.

Natürlich haben wir uns auch die Schlusslichter angeschaut. Die wenigsten Vornamen wurden mit den Buchstaben Q (1x), U (1x) und X (3x) vergeben. Aber auch O (13x) und B (19x) sind nicht so beliebt für Mädchen.

Wir wissen, dass der Wohlklang heutzutage den größten Stellenwert bei der Namengebung hat. Es verwundert daher nicht, dass M, L und E so beliebt sind.


TOP 10 Vornamen in Norwegen 2017

Auf der Grafik sind die beliebtesten Namen des Jahres 2017 in Norwegen abgebildet. Ähnliche Schreibweisen (Jakob/Jacob) wurden hier zusammengefasst.

In den drei Jahren zuvor war William bei den Jungen auf Platz 1. 2013 schaffte es Filip auf den ersten Platz. Von 2008-2012 war Lucas der beliebteste Name. Sowohl William, Filip und Lucas befinden sich auch in den aktuellen TOP 10, sie sind also über die Jahre relativ konstant beliebt gewesen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass im Jahr 1880 noch ganz andere Namen beliebt waren: Ole, Johan, Karl, Hans und Kristian waren damals die fünf beliebtesten Namen.

Bei den Mädchen war 2008 Linnea ganz oben, danach folgte Emma für drei Jahre. 2012 eroberte dann Nora den ersten Platz, gefolgt im Jahr darauf von Sara. 2014 und 2016 war Nora wieder der beliebteste Name in Norwegen. Zwischendurch (2015) schaffte es Emma nochmal auf den Spitzenplatz. Auch hier haben wir ins Jahr 1880 geblickt, die fünf beliebtesten Namen waren damals in Norwegen: Anna, Marie, Karen, Ingeborg und Inga. Anna war übrigens von 1880 bis 1917 auf Platz 1.

Die komplette Statistik kann hier eingesehen werden.


Zum 75. Todestag von Hans & Sophie Scholl

„So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln.“ (Sophie Scholl)

Heute vor 75 Jahren wurden Sophie und Hans Scholl hingerichtet. Die beiden Geschwister waren Mitglieder der Gruppe “Weiße Rose”, welche Widerstand gegen des Nationalsozialismus leistete. Als die Geschwister am 18. Februar 1943 an der Münchner Universität Flugblätter verteilten, wurden sie entdeckt und verhaftet. Vier Tage später wurden sie, zusammen mit Christoph Probst, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

In vielen Nachbenennungen leben ihre Namen und die Erinnerung an ihre mutige Tat weiter. So gibt es über 500x die Geschwister-Scholl-Straße in Deutschland und 35x einen Geschwister-Scholl-Platz.

Der Familienname SCHOLL kann einerseits ein Berufsübername sein (mnd. scholle, schulle für einen Bauern). Andererseits kann der Name auch ein Übername zu mhd. schol ‘schuldig’ sein. Dies ist wohl eines der besten Beispiele dafür, dass die ursprüngliche Bedeutung von Familiennamen, inzwischen nur noch sehr selten etwas mit dem aktuellen Träger des Namens zu tun hat.


Beliebte Hundenamen in den USA 2017

Der beste Freund des Menschen bekommt natürlich auch einen besonderen Namen, oder? Die amerikanische Dog-Sitting Seite Rover hat jedenfalls für das letzte Jahr die beliebtesten Hundenamen ihrer Kunden in den USA ermittelt.

Was auffällt: so sehr unterscheiden sich die Namen gar nicht mehr zu den Namen, die man auch an Babys vergibt. Hunde bekommen immer öfter auch menschliche Vornamen. 44 % aller Hundenamen in dieser Statistik sind inspiriert durch menschliche Vornamen. Vielleicht auch ein Hinweis, wie wichtig Hunde im alltäglichen Leben für manch einen geworden sind.

Viele Namen sind auch durch Trends in den Medien beeinflusst. Besonders aktuelle Serien und Filme werden gerne als Inspiration genutzt. Namen aus Star Wars wie Rey und Leia sind nochmal um 70 % gestiegen im Vergleich zum Vorjahr.

Auch Städte und Staaten werden gerne als Hundenamen vergeben. Sydney, Dallas, Rio, Phoenix und Savannah standen bei Städtenamen ganz oben.

Mehr Informationen gibt es hier: Rover.com

Übrigens beginnt genau heute das chinesische Neujahr, welches im Zeichen des Hundes steht.


Ändere-Deinen-Namen-Tag

Ihr wolltet schon immer mal einen anderen Namen haben? Dann habt ihr heute die Chance dafür, denn heute ist ÄNDERE-DEINEN-NAMEN-TAG.

Der Tag wurde ursprünglich 1987 in den USA eingeführt und ist dort unter “Get A Different Name Day” bekannt. Gewidmet ist der Tag denjenigen, welche sich unwohl mit ihrem Namen fühlen und wenigstens einen Tag im Jahr mal einen anderen Namen tragen wollen. Welchen Namen würdet ihr euch geben? Oder seid ihr mit eurem Namen komplett zufrieden?

In der Realität ist es vor allem in Deutschland deutlich schwieriger, seinen Namen mal eben zu ändern. Änderungen werden durch das Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen, kurz NamÄndG, bestimmt. Unter §3 NamÄndG steht dazu, dass Namen nur geändert werden dürfen, “wenn ein wichtiger Grund die Änderung rechtfertigt”.

Das genaue Verfahren und mögliche Gründe werden durch die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Gesetz (NamÄndVwV) geregelt. Wenn ein Name zum Beispiel anstößig oder lächerlich klingt, dann ist eine Namensänderung möglich. Auch Schwierigkeiten bei der Schreibweise oder Aussprache, welche nachweislich für den Antragsteller zu einer Behinderung führen, sind gerechtfertigte Gründe. Ebenfalls kann im Zusammenhang mit der Einbürgerung einer Person, dessen Familienname geändert werden, wenn die Eingliederung des Antragstellers dadurch erleichtert wird.

Grundsätzlich wird bei einer Änderung des Namens das Interesse des Einzelnen, dem Interesse der Öffentlichkeit gegenübergestellt. Namen haben schließlich auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Menschen voneinander unterscheidbar sind. Eine Entscheidung zur Änderung erfolgt deshalb nur bei schwerwiegenden und gut belegbaren Gründen.

Transsexuelle Personen können ihren Vornamen gemäß des Transsexuellengesetzes (TSG) ändern lassen, wenn “anzunehmen ist, dass sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird” (TSG §1 Absatz 2).

Wir von der Namenberatungsstelle können bei Entscheidungen zur Änderung von Vor- oder Familiennamen gegebenenfalls mit einem Gutachten helfen, indem wir zum Beispiel die Eintragungsfähigkeit bestätigen .

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