KILIANI - Namenstag des heiligen Kilian

Der Name KILIAN ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie es dazu kommt, dass sich bestimmte Namen in einer Region häufen.

Heute ist Kilianstag, der Gedenktag zu Ehren des heiligen Kilian. Er war ein irischer Missionar, welcher 686 n. Chr. in Würzburg ankam. Kilian ist Schutzpatron von Würzburg. Er wird bei Augenleiden, Gicht oder Rheuma aufgerufen.

Der 8. Juli gilt im Bistum Würzburg als Hochfest. Um diese Zeit findet auch immer die Kiliani-Wallfahrtswoche mit Gottesdienstfeiern, vielen Veranstaltungen und Märkten statt. Im Rahmen dieser Woche öffnet auch das Kiliani-Volksfest.

In der Grafik sieht man, wie auch der Name Kilian (altirisch killena ‘Kirchenmann’) in der Region deutlich häufiger vertreten ist, als in anderen Regionen. Die Verehrung des heiligen Kilians und die Wiederspiegelung des Namen im Stadtbild tragen sicher dazu bei.


Namenforschung und Prager Frühling

Erinnerungen und Gedenken nach 50 Jahren

(ein Beitrag von Prof. Dr. Karlheinz Hengst)

1968 erlebten Tschechen und Slowaken unter Dubtschek Demokratisierungs-Ansätze im damaligen „sozialistischen Lager“. Noch kurz vor der gewaltsamen Beendigung dieser geschichtlichen Episode konnte ich eine Woche lang die kurzzeitig veränderte und ganz neue Atmosphäre in Prag erleben. Sie ist als „Prager Frühling“ in die europäische Geschichte eingegangen.

Im „Osten“ aufgewachsen mit den Erlebnissen vom 17. Juni 1953 in Leipzig, den scharfen Schüssen aus Panzern auf demonstrierende Bauarbeiter, dann die Nachricht vom verordneten Abbruch der Sophien-Kirche als evangelischer Hofkirche in Dresden 1962/63 und schließlich auch noch die Sprengung der Universitäts-Kirche in Leipzig am 30.Mai 1968, bot mir Prag im August 1968 ein ganz anderes Bild.

Anlass für meine Pragreise war der Internationale Slavistenkongress an der Karls-Universität vom 7. bis 13. August 1968. Der zu jener Zeit offiziell mögliche Privatbesuch im Rahmen des sogen. „Kleinen Grenzverkehrs“ erlaubte mir den Erwerb einer Reisegenehmigung bei eigener Finanzierung aller Kosten. Damit wurde ich zum einzigen östlichen „Privatteilnehmer“ am Kongress. Zu der recht großen offiziellen Delegation von Wissenschaftlern aus der damaligen DDR gehörten nur zwei Namenforscher aus Berlin, die Herren Teo Witkowski und Reinhard E. Fischer von der Berliner Akad. d. Wissenschaften. Ihre Teilnahme hatte ihr Chef als Direktor des Instituts für Slavistik durchgesetzt. Den damals schon weithin bekannten Forschern Ernst Eichler und Hans Walther aus Leipzig wurde die Teilnahme verwehrt und, wie ich von Ernst Eichler erfuhr,  sogar dienstlich untersagt.

Somit war ich der unvorhergesehene „Überraschungsgast“ für die Überwachungskräfte innerhalb der DDR-Teilnehmer. Das hat auch durchaus mehr als Verwunderung ausgelöst.  Dieser besondere „Status“ erlaubte es mir aber, erstmals Kontakte zu jungen Teilnehmern mit onomastischen Interessen aus dem westlichen Europa zu knüpfen. Für mich außerhalb der  DDR-Delegation galt ja keine „Verhaltensdirektive“! und unerwartet hatte ich schon am zweiten Tag sogar Gelegenheit, meinen ersten akademischen Lehrer Reinhold Olesch nach 15 Jahren wieder zu sprechen. Er war Ende 1952 von Leipzig nach Köln gegangen, leitete dort das Institut für Slavistik und war Herausgeber der Reihe „Slavistische Forschungen“ sowie zusammen mit dem Historiker Walter Schlesinger und dem Germanisten Ludwig Erich Schmitt auch der bekannten Reihe „Mitteldeutsche Forschungen“.

Die Kongress-Atmosphäre war ausgesprochen aufgeschlossen und sehr gastfreundlich. Der damals noch junge Rudolf Šrámek aus Brünn und seine Frau als Volkskundlerin saßen in den Pausen und auch mehrmals am Nachmittag mit mir zusammen. Sie waren in den letzten Monaten sichtlich aufgelebt und schilderten mir das veränderte sowie „befreite Leben“ mit vielen Details aus ihrem Alltag. Reinhold Olesch machte mich mit Koryphäen der slavistischen Linguistik bekannt, so u. a. mit Erwin Koschmieder (München), Henrik Birnbaum (Los Angeles), Ruben Avanesov und Samuil Bernštejn (beide Moskau). Mit dem Berliner Slavisten Klaus Müller und Otto Kronsteiner aus Wien gab es bei Kaffee informative Gespräche, auch über die Onomastik hinaus. Bei kräftigem Regen brachte uns Otto Kronsteiner mit seinem „hässlichen Entlein“ sicher ins Hotel nach Vinohrady.

Der Kongress bot zur Namenforschung damals lediglich eine Sektion mit 15 Vorträgen. Das war aber z. B. im Vergleich zur Sektion „Historische Dialektologie“ mit nur vier Vorträgen eine durchaus beachtliche Anzahl. Unter den Referenten waren so klangvolle Namen wie Rospond und Karaś (Polen), Duridanov und Zaimov (Bulgarien), Vanagas (Litauen), Petrovici (Runänien) und Sipos (Ungarn). Von deutscher Seite gab es drei Vorträge aus Berlin Leipzig und Regensburg. Meine Mitwirkung beschränkte sich auf Beteiligung an der Diskussion. Einen Vortrag hatte ich im Vorfeld ja gar nicht anmelden können.

Thematisch dominierten in der Sektion Onomastik[1] zwei Aspekte: Arbeiten zum Slawischen Onomastischen Atlas und Überblicke zum slawischen Erbe in verschiedenen Einzelsprachen.

Im Rückblick auf den Kongress in Prag haben sich in den Folgejahren die Arbeit am Slawischen Onomastischen Atals sowie die Bearbeitung des früh überlieferten Namenguts als dauerhaft erwiesen. Das gilt für die onomastischen Forschungen in Deutschland sowie in ganz Europa allgemein, ebenso aber auch für die Leistungen in den einzelnen Zentren mit slavistischen Schwerpunkten vor allem in Berlin und Leipzig. Mir persönlich haben die im August 1968 – nur  zwei Wochen vor der gewaltsamen Beendigung des Prager Frühlings –  geknüpften Kontakte in den Folgejahren zu manchem Gedanken- und auch Buchaustausch verholfen.

Es hat dann nach 1968 nochmals über zwanzig Jahre gedauert, bis nach den gewaltfreien Demonstrationen in Leipzig und dem Fall der Berliner Mauer eine heute als ganz normal erscheinende Vereinigung auch aller wissenschaftlichen Bestrebungen in Deutschland und anschließend auch im europäischen Maßstab möglich wurde. Auch daran sei erinnert.

 


[1] Die Akten des Kongresses sind in zwei Bänden erschienen: VI. mezinárodní sjezd slavistů v Praze 1968. Akta sjezdu. Praha 1970 (insgesamt  780 S.). Für die freundliche Zusendung  beider  Bände zum Weihnachtsfest   1970 danke ich heute nochmals meinem Freund und Kollegen Prof. Dr. Rudolf Šrámek in Brno.


Vatútinki – die Unterkunft der deutschen Fußballnationalelf in Moskau

(ein Beitrag von Prof. Dr. Karlheinz Hengst)

Der Name war in Deutschland bisher unbekannt. Das ist auch nicht verwunderlich. Schließlich handelt es sich um den eigens für die Fußballweltmeisterschaftspiele in Russland 2018 errichteten Neubau einer Hotelgruppe in dem dort als Neu-Moskau bezeichneten Neubaugebiet im Südwesten von  Moskau. Die Hotelgruppe  „Vatútinki Hotel Spa Complex“ liegt etwa 15 km entfernt von der rund um Moskau führenden äußeren Ringstraße.

Sprachlich beruht der Name Vatútinki – mit Betonung der zweiten Silbe – auf der Weiterverwendung des Familiennamens Vatútin. Dieser Name ist schon 1495 in Novgorod verzeichnet: Michail Ivanovič Vatutin (Veselovskij, Onomastikon. Moskva 1974, S. 64). Auch 1538 Vatutin ist erwiesen (Tupikov, Wörterbuch altrussischer Personennamen. Köln, Wien 1989, S. 500). 

Der Familienname Vatutin  ist eine Bildung von dem Rufnamen Vatuta. Dieser ist wie der Familienname Vatin  als Bildung von Vata ebenfalls auf eine  Kurznamenform Vata zurückzuführen. Die sprachliche Herkunft des Personennamens ist unklar (vgl. Superanskaja, Slovar´ russkich ličnych imen [Lexikon russischer Rufnamen]. Moskva 2004, S. 140). Am wahrscheinlichsten erscheint, dass es sich bei Vata um eine Kurzform von dem christlichen Personennamen Savvatej handelt, der eine Entlehnung ist aus griechisch Sabbátios   (vgl. Unbegaun, Russkie familii [Russische Familiennamen]. Moskva 1989, S. 43). Dieser Name wurde einst dem am Sabbat-Tag Geborenen verliehen. Gleicher Herkunft ist sicher auch der russische Familienname Savateev  (vgl. Fedosjuk, Russkie familii. Populjarnyj ėtimologičeskij slovar‘ [Russische Familiennamen. Populärwissenschaftliches etymologisches Wörterbuch]. Moskva 2002, S. 173).          

Offen bleibt, welche konkrete Person als Träger des Namens Vatútin  aus dem Moskauer Raum in dem Hotel-Komplex-Namen Vatútinki weiterlebt. Die suffigierte Pluralform auf –ki gibt die toponymische Referenz vor allem bei jüngeren Städtenamen an, vgl. die Namen von Städten wie Chimki, Faljonki, Osinki, Rowenki .    


Familiennamen zur Fußball-WM 2018

Wenn selbst die Brötchen beim Bäcker aussehen wie Bälle, ja dann ist definitiv wieder Fußball-WM. Heute beginnt das ganze Spektakel. Bis zum 15. Juli sind wohl die Plauderthemen während der Kaffeepause bestimmt durch Bälle, rote Karten, Tore und sonstige Highlights.

Aber auch Familiennamen eignen sich gut als Gesprächsthemen zur WM 2018. Durch die große Vielfalt an Familiennamen finden sich auch zum Thema Fußball passende Namen. Natürlich haben sie im eigentlichen Sinne nicht viel mit Fußball zu tun.

BALLWEG kommt von Baldeweg (mhd. balde ‘schnell’; mhd. enwëc ‘hinweg’) und steht für einen rastlosen Menschen. KICK ist ein Übername und steht für ‘frisch, munter, mutig’. PASS ist ein Wohnstättenname für jemanden, welcher an einem Durchgang (Pass) wohnte. Und ein TORWÄRTER (auch Torwart, Torwerter, Thorhutter) hat sicherlich früher andere Tore bewacht als Fußballtore.

Allen Fußball-Fans wünschen wir eine schöne WM-Zeit.


Royale Hochzeit: Prince Harry

Die letzten Hochzeitsvorbereitungen von Prince Harry und Meghan Markle sind sicherlich im vollem Gange. Vor dem großen Tag haben wir uns nochmal die Vornamen von Prince Harry angeschaut.


Als HENRY wurde er offiziell getauft, genannt wird er jedoch HARRY. Dies ist eine Nebenform von Henry, welcher wiederum auf Heinrich zurückgeht. Heinrich ist ein germanischer Rufname mit den Namenwörtern ahd. heim >Haus< und ahd. rīhhi >Herrschaft, reich, Macht<. Die Bedeutung des Namens ist in diesem Falle sicher ganz zutreffend. Zumindest die Form Henry ist inzwischen auch in Deutschland sehr beliebt. Platz 19 auf der Vornamenliste hatte Henry letztes Jahr in Leipzig inne. Insgesamt wurden 31 Kinder Henry genannt. Weitere 14 Kinder bekamen die Schreibweise mit i, Henri.


Dass Nachbenennung ein wichtiges Motiv in der königlichen Familie ist, darüber berichteten wir neulich schon. Bei dem Namen CHARLES liegt es auf der Hand, nach wem der Name vergeben wurde. Charles ist die englische bzw. französische Form von Karl. Ein alter germanischer Name, welcher wohl von ahd. karl “Mann” kommt.


ALBERT ist eine zusammengezogene Form von Adalbert. In diesem germanischen Vornamen stecken die Namenwörter ahd. adal >edel, Abstammung< und ahd. beraht >glänzend, berühmt<. Von “glänzender Abstammung” passt doch ebenfalls sehr gut.


Die ersten drei Namen gehen also auf germanische Rufnamen zurück. Name Nr. 4 ist hier die Ausnahme. DAVID ist hebräischen Ursprungs, die Bedeutung ist jedoch nicht ganz geklärt. Er könnte >Liebling< bedeuten, aber auch >Vatersbruder< oder er könnte ein Thronname sein.


Royale Hochzeit: Meghan Markle

Weniger als eine Woche, dann ist es soweit: das royale Ereignis des Jahres, die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle. Passend dazu haben wir uns den Namen von Meghan mal genauer angeschaut.

 

MEGHAN (auch Megan) ist eine Koseform von Margaret. Dieser wiederum ist die englische Form von MARGARETE, ein Name lateinischer Herkunft. Er leitet sich von lat. margarīta >Perle< bzw. griech. margarítēs >Perle< ab. Auch der Blumenname Margerite (Gänseblümchen) leitet sich vom Wort >Perle< ab. Die Blütenköpfe wurden mit Perlen verglichen, daher die Bezeichnung.

Vor allem im Mittelalter fand der Name Margarete große Verbreitung. Dies steht im Zusammenhang mit der heiligen Margarete von Antiochia (3./4. Jhd.), welche, der Legende nach, den Teufel in Drachengestalt mittels eines Kreuzes besiegt haben soll. Zudem zählt sie zu den vierzehn Nothelferinnen und ist Schutzheilige der Bauern, Gebärenden und Wöchnerinnen.

Auch in anderen Ländern gibt es Varianten von Margarete: Margherita (ital.), Margarita (span.), Marguerite (frz.), Margaret (engl.), Margareta (schwed.), Margit (ungar.), Marjeta (tschech.) oder Ma∤gorzata (poln.).

Weiterhin gibt es auch viele Kurzformen oder Weiterbildungen zum Namen, wie Marga, Margitta, Margot, Margrit, Grete, Gretchen, Gretel, Griet, Grietje oder Greta, heute besonders beliebt, Greta. Dieser Name war letztes Jahr in Leipzig auf Platz 6 der beliebtesten weiblichen Vornamen. Die Vollform Margarete schaffte es hingegen nicht in die Top100.

 

Ihr eigentlicher erster Vorname ist übrigens RACHEL. Ein interessanter Zufall ist, dass sie in der TV-Serie “Suits” ebenfalls einen Charakter namens Rachel spielte. Der Name hat einen hebräischen Ursprung und kommt von hebr. rāhel >Mutterschaf<. In der Bibel war Rachel die Tochter Labans und die jüngere Schwester von Lea. Sie war außerdem die Mutter von Josef und Benjamin. Weitere Formen von Rachel sind unter anderem Rachela (poln.), Rachil (bulg.), Rachele (ital.) und Raquel (span.). Auch gibt es noch die Schreibvariante RAHEL in Deutschland. Sowohl Rachel aber auch Rahel waren letztes Jahr jedoch zumindest bei Leipziger Eltern nicht besonders beliebt, insgesamt gab es nur 3 Eintragungen.

 

Zu guter Letzt, haben wir uns natürlich auch den Familiennamen MARKLE etwas genauer angeschaut. Der Familienname ist eine amerikanisierte Variante von dem Familiennamen Markel. Eine Koseformen zu Rufnamen, welche mit dem Namenwort marcha >Grenze< gebildet wurden. Dazu zählen Namen wie Markward oder Markhard. Und wem hier die Ähnlichkeit zum Familiennamen MERKEL auffällt, der liegt genau richtig. Auch dieser Name lässt sich auf Rufnamen wie Marward zurückführen.


Workshop: "Aktuelles aus der Welt der Vornamen" am 16. Mai 2018

Wer an der Welt der Vornamen interessiert ist, der sollte sich diesen Termin merken. Am 16. Mai 2018 hält unsere Namenexpertin Gabriele Rodríguez einen Workshop zu aktuellen Vornamen. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen, einmal einen kleinen Eindruck in das große Feld der Namengebung zu bekommen.

 

Gabriele Rodriguez ist seit 1994 Namenberaterin an der Universität Leipzig tätig und publiziert zu verschiedenen namenkundlichen Themen. Zuletzt erschien ihr Buch "Namen machen Leute. Wie Vornamen unser Leben beeinflussen" (2017), das großes öffentliches Interesse hervorgerufen hat.

 

Der Workshop findet von 13:15-14.45 Uhr im Seminargebäude (R. 126) der Universität Leipzig statt.


Kosenamen

Man unterscheidet generell zwischen dem offiziellen Namen und inoffiziellen Namen. So geben sich Liebespaare gerne einen Kosenamen, um die enge Beziehung zueinander auszudrücken. Ganz klassisch, kann man natürlich einfach eine Abkürzung des Vornamens wählen, aber auch andere Bezeichnungen werden gerne genutzt. Auf der Grafik haben wir ein paar in Deutschland besonders beliebte Varianten zusammengefasst. Schatz und Schatzi sind die am häufigsten benutzten Kosenamen.

Auch in anderen Ländern sind Kosenamen beliebt. In England sagt man gerne “Darling” (Liebling), in Frankreich ist “Mon cœr” (mein Herz) beliebt, in Spanien “Mi cielo” (mein Himmel).

Problematisch wird es bei den Kosenamen nur, wenn ein Partner sich unwohl fühlt mit dem Namen oder wenn besonders intime Namen plötzlich im öffentlichen Raum genannt werden.


Familiennamen nach Wesensart

Familiennamen haben verschiedene Ursprünge. Allgemein unterscheidet man fünf Gruppen von Familiennamen (1) FamN nach Rufnamen, (2) FamN nach dem Beruf, (3) FamN nach der Herkunft, (4) FamN nach der Wohnstätte und (5) FamN aus Übernamen.

In diesen jeweiligen Gruppen kann man die Namen nochmals nach bestimmten Kriterien sortieren. So kann man Übernamen zum Beispiel nach körperlichen oder charakterlichen Merkmalen unterscheiden. Auch Gegenstände, Jahres- und Tageszeiten und wichtige Ereignisse sind Ausgangspunkte für Übernamen gewesen. Die Liste der Gruppen ist lang, wir wollen euch heute eine Gruppe näher vorstellen: Übernamen aus charakterlichen Merkmalen, also nach der Wesensart eines Menschen.

Diese Namen wurden üblicherweise als Beinamen von Mitmenschen an eine Person vergeben, wenn die Person besonders ausgeprägte Charaktermerkmale hatte. Daher sind sowohl positive als auch negative Eigenschaften vertreten. Auf der Grafik sind einige Beispiele aufgeführt.

Mehr Namen findet man im dtv-Atlas “Namenkunde” von K. Kunze.


Namen aus der Literatur

Literatur kann gesellschaftliche Prozesse prägen, das ist keine neue Erkenntnis. Es verwundert daher nicht, dass auch die Namengebung von der Literatur geprägt wird.

 

Namen aus beliebten Romanen finden sich natürlich auch in der Vornamengebung wieder. Manchmal erfinden Schriftsteller auch Namen, welche dann zu gebräuchlichen Namen werden. Auf der Grafik sind einige Namen sehen, welche von Autoren erfunden wurden bzw. in dieser Form zuvor nicht üblich waren.

 

Zusätzlich stehen hier noch die jeweiligen Schriftsteller:

 

Aitor (J. A. Chaho), Cedric (W. Scott), Cordelia (W.Shakespeare), Dorian (O. Wilde), Fiona (J. MacPherson), Jessica (W.Shakespeare), Loredana (I. Zuccoli), Madita (A. Lindgren), Miranda (W. Shakespeare), Ophelia (I. Sannazzaro - bekannt durch Shakespeares Ophelia), Pamela (P. Sidney), Ronja (A. Lindgren), Selma (J. MacPherson), Thelma (M. Corelli), Vanessa (J. Swift)

 

 




... wenn Namen zu Beleidigungen werden

Die meisten Menschen haben in ihrem Leben sicher schon einmal das ein oder andere Schimpfwort benutzt. Schimpfwörter haben verschiedene sprachliche Herleitungen, so kommen manche Schimpfwörter auch von Namen.

Historisch haben sich eher Kurzformen von Namen zu Schimpfwörtern entwickelt. Das Bildungsbürgertum benutzte früher überwiegend die Vollform eines Namens (z.B. Heinrich), während es bei den Bediensteten auch mal die Kurzform sein durfte. Kurzformen wie Heini werden daher mit bildungsfernen Menschen assoziiert. Ob ein Name zum Schimpfwort wird, ist zudem regional abhängig.

Mit seinen Geschichten vom Struwwelpeter oder Suppen-Kaspar hat Heinrich Hoffmann ebenfalls Namen mit bestimmten negativen Verhaltensweisen assoziiert.

Und ja, die Bezeichnung “Tussi” stammt vom Namen Thusnelda ab.


Woher kommt der Familienname NONNENMACHER?

Woher kommt nur dieser besondere Familienname?

Insgesamt gibt es diesen Namen über 400x in Deutschland, vor allem in Baden-Württemberg häuft er sich.

Wenn wir solche Fragen schon stellen, dann kann man davon ausgehen, dass der Name einen wohl erst einmal auf die falsche Fährte locken wird.

Es handelt sich nicht um die Berufsbezeichnung für einen Pfarrer und auch ein frommer Mensch kommt hier nicht in Frage.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Familiennamen NONNENMACHER um eine Berufsbezeichnung für einen Viehkastrator. Als mhd. nunne/nonne bezeichnete man früher eine verschnittene Sau. Ein Nonnenmacher ist also ein Sauschneider, jemand der Schweine kastriert hat.


Frohe Ostern

Frohe Ostern wünscht das Namenkundliche Zentrum der Universität Leipzig.

Wir haben diesmal ein paar passende Straßennamen herausgesucht. Vor allem mit "Hase" gibt es in Deutschland sehr viele Varianten.


333. Geburtstag von Johann Sebastian Bach

Heute vor 333 Jahres wurde Johann Sebastian Bach geboren. Bach ist bis heute unzertrennlich mit Leipzig und der Thomaskirche verbunden, war er doch von 1723 bis 1750 Thomaskantor ebenda.

Wir haben zu diesem Ehrentag einen besonderen Beitrag zu den Namen seiner in Leipzig geborenen Kinder zusammengestellt.

 

>>> Beitrag zu den Namen von Johann Sebastian Bachs Kindern <<<

 

 


Familiennamen zum Frühlingsanfang

Auch wenn es sich nicht so anfühlt, laut Kalender ist heute Frühlingsanfang (und es schneit in Leipzig!). Wir wollen dem Frühling mal etwas auf die Sprünge helfen und haben frühlingshafte Familiennamen herausgesucht.

Viele dieser Namen sind Wohnstättennamen, dass heißt der ursprüngliche Namensträger lebte zum Beispiel in der Nähe eines auffälligen BAUMes oder an einer WIESE. Aber auch charakterliche Eigenschaften von Menschen sind vertreten, zum Beispiel der Name SONNENSCHEIN, welcher für einen heiteren Menschen stand. Der Familienname KNOSPE bezeichnete hingegen einen kurzen, dicken Menschen. Bei SPAZIERER stand eine Verhaltensgewohnheit als Benennungsmotiv im Vordergrund. Ein Patronym ist (gut versteckt) ebenso in dieser Sammlung enthalten. Bei WOLKE handelt es sich um eine Variante des Rufnamen Walther. Der Familienname BLATT hat wenig mit den grünen Blättern am Baum gemein, vielmehr haben wir hier einen Berufsübernamen für einen Hersteller von Plattenpanzern.


Familiennamen zur Leipziger Buchmesse 2018

Die Leipziger Buchmesse wurde gestern offiziell eröffnet. Ab heute kommen auch die vielen Besucher in den Genuss von tausenden Büchern.

Wir schauen uns deshalb zum Thema passende Familiennamen an.

BUCH/ BÜCHER: Man könnte meinen der Name hat etwas mit Büchern zu tun. Viel wahrscheinlicher ist aber ein Wohnstättenname für zu mhd. buoche ‘Buche’. Der ursprüngliche Namensträger war wohnhaft an einer auffälligen Buche oder einem Buchenwald. Auch ein Herkunftsname ist bei dem Familiennamen BUCH eine Möglichkeit.

Anders verhält es sich bei den Namen BUCHBINDER/ BUCHBENDER/ BUCHDRUCKER. Diese sind erst nach Erfindung des Buchdrucks im 15. Jhd. entstanden sind. Die meisten Familiennamen sind eher entstanden.

Zum Schluss haben wir noch den Familiennamen LESER. Steht dieser für jemanden der gerne liest? Naja, eher für jemanden der viel vorgelesen hat, zum Beispiel einen Lehrer. Möglich ist aber auch ein Weinleser.

Wir wünschen allen Besuchern viel Spaß auf der Buchmesse.


Neuerscheinung: Namen und Berufe (Onomastica Lipsiensia, Band 13)

Ab diesem Monat steht der neue Onomastica Lipsiensia Band “Namen und Berufe” zur Verfügung.

Es handelt sich hierbei um die Akten der gleichnamigen Herbsttagung, welche 2017 von der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung e.V. im Zusammenarbeit mit dem Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig ausgerichtet wurde. Der Band erscheint im Leipziger Universitätsverlag.

Das Inhaltsverzeichnis kann hier eingesehen werden.

 

Dieter Kremer (Hg.): Namen und Berufe. (=Onomastica Lipsiensia. Leipziger Untersuchungen zur Namenforschung, Band 13), Leipziger Universitätsverlag.

ISBN 978-3-96023-175-2

Broschur, 394 Seiten

49,- €


Beliebte Anfangsbuchstaben bei weiblichen Vornamen

Zum internationalen Frauentag haben wir heute beliebte Anfangsbuchstaben bei Vornamen für Mädchen. Als Quelle dient uns die Leipziger Statistik der beliebtesten Vornamen (Erstnamen) aus dem Jahr 2017.

Wir haben dort nachgezählt, welcher Anfangsbuchstabe denn am häufigsten vergeben wird. Und das Rennen hat knapp der Buchstabe “M” für sich entschieden. Sowohl Namen mit M als auch L wurden über 500x vergeben. Am Ende machten sieben zusätzliche Namen mit M den Unterschied (520x zu 513x). Deutlich abgeschlagen liegt E auf dem dritten Platz (416), obwohl die beiden beliebtesten Namen Emma und Emilia mit diesem anfangen. Den vierten Platz macht der Buchstabe A mit 407 vergebenen Erstnamen.

Natürlich haben wir uns auch die Schlusslichter angeschaut. Die wenigsten Vornamen wurden mit den Buchstaben Q (1x), U (1x) und X (3x) vergeben. Aber auch O (13x) und B (19x) sind nicht so beliebt für Mädchen.

Wir wissen, dass der Wohlklang heutzutage den größten Stellenwert bei der Namengebung hat. Es verwundert daher nicht, dass M, L und E so beliebt sind.


TOP 10 Vornamen in Norwegen 2017

Auf der Grafik sind die beliebtesten Namen des Jahres 2017 in Norwegen abgebildet. Ähnliche Schreibweisen (Jakob/Jacob) wurden hier zusammengefasst.

In den drei Jahren zuvor war William bei den Jungen auf Platz 1. 2013 schaffte es Filip auf den ersten Platz. Von 2008-2012 war Lucas der beliebteste Name. Sowohl William, Filip und Lucas befinden sich auch in den aktuellen TOP 10, sie sind also über die Jahre relativ konstant beliebt gewesen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass im Jahr 1880 noch ganz andere Namen beliebt waren: Ole, Johan, Karl, Hans und Kristian waren damals die fünf beliebtesten Namen.

Bei den Mädchen war 2008 Linnea ganz oben, danach folgte Emma für drei Jahre. 2012 eroberte dann Nora den ersten Platz, gefolgt im Jahr darauf von Sara. 2014 und 2016 war Nora wieder der beliebteste Name in Norwegen. Zwischendurch (2015) schaffte es Emma nochmal auf den Spitzenplatz. Auch hier haben wir ins Jahr 1880 geblickt, die fünf beliebtesten Namen waren damals in Norwegen: Anna, Marie, Karen, Ingeborg und Inga. Anna war übrigens von 1880 bis 1917 auf Platz 1.

Die komplette Statistik kann hier eingesehen werden.


Zum 75. Todestag von Hans & Sophie Scholl

„So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln.“ (Sophie Scholl)

Heute vor 75 Jahren wurden Sophie und Hans Scholl hingerichtet. Die beiden Geschwister waren Mitglieder der Gruppe “Weiße Rose”, welche Widerstand gegen des Nationalsozialismus leistete. Als die Geschwister am 18. Februar 1943 an der Münchner Universität Flugblätter verteilten, wurden sie entdeckt und verhaftet. Vier Tage später wurden sie, zusammen mit Christoph Probst, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

In vielen Nachbenennungen leben ihre Namen und die Erinnerung an ihre mutige Tat weiter. So gibt es über 500x die Geschwister-Scholl-Straße in Deutschland und 35x einen Geschwister-Scholl-Platz.

Der Familienname SCHOLL kann einerseits ein Berufsübername sein (mnd. scholle, schulle für einen Bauern). Andererseits kann der Name auch ein Übername zu mhd. schol ‘schuldig’ sein. Dies ist wohl eines der besten Beispiele dafür, dass die ursprüngliche Bedeutung von Familiennamen, inzwischen nur noch sehr selten etwas mit dem aktuellen Träger des Namens zu tun hat.


Beliebte Hundenamen in den USA 2017

Der beste Freund des Menschen bekommt natürlich auch einen besonderen Namen, oder? Die amerikanische Dog-Sitting Seite Rover hat jedenfalls für das letzte Jahr die beliebtesten Hundenamen ihrer Kunden in den USA ermittelt.

Was auffällt: so sehr unterscheiden sich die Namen gar nicht mehr zu den Namen, die man auch an Babys vergibt. Hunde bekommen immer öfter auch menschliche Vornamen. 44 % aller Hundenamen in dieser Statistik sind inspiriert durch menschliche Vornamen. Vielleicht auch ein Hinweis, wie wichtig Hunde im alltäglichen Leben für manch einen geworden sind.

Viele Namen sind auch durch Trends in den Medien beeinflusst. Besonders aktuelle Serien und Filme werden gerne als Inspiration genutzt. Namen aus Star Wars wie Rey und Leia sind nochmal um 70 % gestiegen im Vergleich zum Vorjahr.

Auch Städte und Staaten werden gerne als Hundenamen vergeben. Sydney, Dallas, Rio, Phoenix und Savannah standen bei Städtenamen ganz oben.

Mehr Informationen gibt es hier: Rover.com

Übrigens beginnt genau heute das chinesische Neujahr, welches im Zeichen des Hundes steht.


Ändere-Deinen-Namen-Tag

Ihr wolltet schon immer mal einen anderen Namen haben? Dann habt ihr heute die Chance dafür, denn heute ist ÄNDERE-DEINEN-NAMEN-TAG.

Der Tag wurde ursprünglich 1987 in den USA eingeführt und ist dort unter “Get A Different Name Day” bekannt. Gewidmet ist der Tag denjenigen, welche sich unwohl mit ihrem Namen fühlen und wenigstens einen Tag im Jahr mal einen anderen Namen tragen wollen. Welchen Namen würdet ihr euch geben? Oder seid ihr mit eurem Namen komplett zufrieden?

In der Realität ist es vor allem in Deutschland deutlich schwieriger, seinen Namen mal eben zu ändern. Änderungen werden durch das Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen, kurz NamÄndG, bestimmt. Unter §3 NamÄndG steht dazu, dass Namen nur geändert werden dürfen, “wenn ein wichtiger Grund die Änderung rechtfertigt”.

Das genaue Verfahren und mögliche Gründe werden durch die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Gesetz (NamÄndVwV) geregelt. Wenn ein Name zum Beispiel anstößig oder lächerlich klingt, dann ist eine Namensänderung möglich. Auch Schwierigkeiten bei der Schreibweise oder Aussprache, welche nachweislich für den Antragsteller zu einer Behinderung führen, sind gerechtfertigte Gründe. Ebenfalls kann im Zusammenhang mit der Einbürgerung einer Person, dessen Familienname geändert werden, wenn die Eingliederung des Antragstellers dadurch erleichtert wird.

Grundsätzlich wird bei einer Änderung des Namens das Interesse des Einzelnen, dem Interesse der Öffentlichkeit gegenübergestellt. Namen haben schließlich auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Menschen voneinander unterscheidbar sind. Eine Entscheidung zur Änderung erfolgt deshalb nur bei schwerwiegenden und gut belegbaren Gründen.

Transsexuelle Personen können ihren Vornamen gemäß des Transsexuellengesetzes (TSG) ändern lassen, wenn “anzunehmen ist, dass sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird” (TSG §1 Absatz 2).

Wir von der Namenberatungsstelle können bei Entscheidungen zur Änderung von Vor- oder Familiennamen gegebenenfalls mit einem Gutachten helfen, indem wir zum Beispiel die Eintragungsfähigkeit bestätigen .

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